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Denkmalschutz in NRW: Eine Pressereise

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Der Knabe ist der Hammer: Feuerrotes Haar, leise Stimme, laut einschlägigen Rankings einer der 300 reichsten Deutschen. Geld interessiert ihn aber nicht, eher die Schönheit. Und die Bewohner. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen: Walter Brune ist 92 Jahre alt, aber laut Rheinischer Post „fit wie ein Turnschuh“. Er habe sein tägliches Arbeitspensum jetzt von 14 auf 12 Stunden reduziert, heißt es.

Walter Brune (Jahrgang 1926) ist Architekt, seit 1950 selbstständig. Er hat einschlägige innerstädtische Einkaufszentren entworfen, hat Ideen aus den USA nach Deutschland importiert und Ideen aus Deutschland in die USA zurückgespielt. Er hat mit Marcel Breuer zusammengearbeitet. Seine Karstadt-Hauptverwaltung in Essen steht unter Denkmalschutz, sein eigenes Wohnhaus in Düsseldorf im Bungalow-Stil sowieso. Sein Auto sollte man auch sofort unter Schutz stellen: ein 27 Jahre alter Mercedes 560 SEL V12 mit 380.000 km auf der Uhr. Helmut Kohl hatte auch keinen besseren Wagen.

Nach den berufsständischen Maßstäben der Architektenkammern ist Walter Brune als „gewerblicher Architekt“ einzustufen, weil er immer auch als Grundstückseigentümer und Entwickler aufgetreten und ins Risiko gegangen ist. Er sagt, es ging nur so – um seine Angestellten in der Auftrags-Krise zu halten, zum Beispiel in der Ölkrise ab 1973. 150 Mitarbeiter waren es in besten Zeiten, heute sind es 70. Wo Brune studiert hat, wird aus den von ihm kontrollierten Veröffentlichungen nicht ganz klar; jedenfalls ist er von dem Düsseldorfer Architekten Gustav August Munzer (1887-1973) beeinflusst, der das Marine-Ehrenmal in Laboe (1936) entworfen hat und dem NS-Klassizismus nicht abhold war.

Uns hat Walter Brune begleitet zur Besichtigung der Wohnbebauung Münsterpark (realisiert ab 1971) in Düsseldorf. Uns, das sind die Journalisten, die an der traditionellen Pressereise des DNK, des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, teilgenommen haben. Brunes lakonisch-charmanter Auftritt war der letzte Programmpunkt einer dichtgepackten Exkursions-Agenda unter sehr sommerlichen Temperaturbedingungen.

Am ersten Tag führte uns diese Reise nach Dortmund und Marl, also nach Westfalen. Nach der alten preußischen Logik ist die Denkmalpflege bis heute nach Landschaftsverbänden in Westfalen-Lippe und Rheinland geteilt, NRW hat also den Luxus von zwei Landeskonservatoren bzw. -innen. Beide saßen über die ganzen zwei Tage mit im Bus, was als Beleg ihrer Wertschätzung für diese Reise gelten darf. Unnötig zu erwähnen, dass ihre Ämter trotzdem notorisch unterbesetzt sind.

Die Objekte der Nachkriegsmoderne, um die es hier ging, sind unstrittig schutzwürdig. Marls Rathauskomplex von van den Broek und Bakema (Broek spricht man übrigens wie „Bruuk“ aus, liebe Freunde des Niederländischen) ist ein phantastisches Denkmal des Ruhrgebiets, als dieses noch modern war. Die allfälligen Signale der „schrumpfenden Stadt“, die man sonst im nördlichen Ruhrgebiet empfängt, blieben hier aus.

In der Landeshauptstadt Düsseldorf führten uns schließlich die beiden Damen vom Bau, Denkmalpflegerin Svenja Schrickel und Baudezernentin Cornelia Zuschke. Letztere plädierte in einer Abenddiskussion mit BDA-Präsident Heiner Farwick dafür, dieses kostbare Geschenk „Stadt“ anzunehmen und wertzuschätzen.

Das nach einer Sanierung in den 1990er Jahren kürzlich erneut sanierte Dreischeibenhochhaus löste vor Ort eine Diskussion aus über die denkmaltheoretische Frage nach Originalsubstanz versus Erscheinungsbild. Hier ist diese Frage zugunsten des „Image“ beantwortet worden: Es ging um das verkaufbare „Irgendwie-Bild“, nicht um Substanz. Schade, dass die erneuerte Fassade schon jenseits des Teiches, aus 500 Metern Entfernung, als nicht authentisch erkannt werden kann. Da trösten dann die mit hohem Aufwand erhaltenen Alu-Paneele der Giebelseiten ebenso wie die alten Bundespost-Münztelefonzellen, in denen allerdings keine Telefonbücher mehr ausliegen, sondern Speisekarten des ansässigen Luxus-Italieners.

Offenlegung: Ich bin im Hauptberuf Pressereferent des BDA-Bundesverbandes. Diese Veröffentlichung auf meiner privaten Website ist keine Verlautbarung des BDA.

Sonnensegel im Westfalenpark Dortmund, Günter Behnisch

Der „Florian“ steht auch unter Denkmalschutz

Rathaus Marl

Rathaus Marl

Rathaus Marl

Corbu in Westfalen

Rathaus Marl

Rathaus Marl

ehemalige Volkshochschule Marl, jetzt Grimme-Institut, 1955

Dreischeibenhaus: Die neue Fassade wirkt nicht authentisch

… der Ausblick allerdings schon

Münsterpark, ab 1971 von Walter Brune

 

Geschrieben von Benedikt Hotze

30. Juni 2018 um 13:07

Abgelegt in Allgemein,Architektur

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