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Telefunken-Musikanlage von 1976: 45 Jahre alt und kein bisschen leise

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Heute hören ja Viele ihre Musik per Streaming auf aktiven Bluetooth-Lautsprechern. Hallo Alexa, mach mal lauter! Früher [tm], als alles bekanntlich besser war, hörte man Musik über so genannte Stereoanlagen. Aber auch da gab es schon mal einen Generationenkonflikt…

In den 1970er Jahren kam die Generation der HiFi-Freaks auf, die sich der hochwertigen Tonwiedergabe (HiFi = High Fidelity) verschrieben hatten und Geräte aus amerikanischer oder vor allem japanischer Produktion bevorzugten. Der deutsche Spießer, gerade vom alten Dampf-Röhrenradio entwöhnt, hingegen kaufte im Radio- und Fernsehladen um die Ecke bevorzugt so genannte Kompaktanlagen – Geräte, die alles in einem boten: Radio, Plattenspieler, Verstärker – und vielleicht noch einen Cassettenrecorder. Ein solches Gerät von 1976 aus dem Familienerbe habe ich hier wieder in Betrieb genommen – und bin beeindruckt von der Qualität der damaligen „deutschen Wertarbeit“.

Das „Telefunken HiFi-Center 4525“ genannte Gerät (hier ein Prospektfoto) war als Einsteigergerät einer deutschen Traditionsmarke der natürliche Feind der genannten HiFi-Freaks. Davon unberührt, hatte mein Vater diese Anlage 1976 gekauft (Ladenpreis damals ca. 1.200 DM, also umgerechnet ca. 600 €, was bei damaliger Kaufkraft nicht ganz ohne war), und damit eine Musiktruhe von 1963 ersetzt, die hauptsächlich als Möbelstück entworfen worden und deren Technik nachrangig war.

Dieser Kauf wurde jedenfalls von den selbsternannten und besser betuchten HiFi-Freaks in der Verwandtschaft sofort belächelt. Eine der milderen Reaktionen: „Diese Anlage ist gar nicht so schlecht, die habe ich mir auch ins Schlafzimmer gestellt!“

Auf energisches Betreiben meiner Mutter hatte mein Vater sich extrem flach gebaute Lautsprecherboxen von Braun dazu gekauft, die hinter der Gardine an der Wand hängend versteckt werden konnten. Gleichwohl war es für mich als Zwölfjähriger ein Erlebnis, mit dieser Anlage endlich mal Musik „mit Wumms“ hören zu können. Anspieltipp war damals „Kenny: The Bump“. Allerdings durfte das Gerät mit Rücksicht auf die Nachbarn nie über die Stellung 1,5 von 5 des Lautstärkereglers aufgedreht werden (außer meine Eltern waren mal nicht da). Mein Vater besorgte sich dann schnell einen offenen Kopfhörer von Sennheiser, und ein frei stehendes Cassettendeck von Braun kam dann auch noch dazu.

Diese Kompaktanlage hat einen Plattenspieler von Perpetuum Ebner (PE 3046) aus dem Schwarzwald (tatsächlich aus deutscher Produktion), der – das sei gleich schon verraten – bis heute fast perfekt funktioniert.

Denn ungeachtet der verfemten Bauweise „Kompaktanlage“ waren dort durchaus repektable Teile verbaut. Als „Reibrad“-Plattenspieler hat der PE zwar nie HiFi-Freaks elektrisiert, die ihm immer ein „Rumpeln“ attestieren würden, aber mit einem zeitgemäßen Tonabnehmersystem ausgestattet (ich habe an der Stelle des originalen Shure M75, wenig originell, das grüne Monster von Audio Technica druntergeschraubt), klingt das Teil bei der Vinyl-Wiedergabe mehr als respektabel. Es macht richtig Spaß! Dass die Tonarm-Automatik mechanisch ausgefallen ist, stört mich nicht. Der Tonarm-Lift sitzt an der richtigen Stelle und funktioniert.

Auch der UKW-Empfang funktioniert bestens selbst mit einer simplen Wurfantenne, und der Verstärker verstärkt was er soll. Dass fünfpolige DIN-Anschlüsse anliegen, sowohl für Kopfhörer als auch als Line-In z.B. für CD-Spieler, muss man wissen, und man kann es über Adapter lösen. Auch die Lautsprecher werden über DIN-Anschlüsse angeschlossen; meine Arcus-Boxen TS 80, die ich mal sehr günstig geschossen habe, verfügen ebenfalls über einen entsprechenden Adapter. Im Zusammenspiel mit der Telefunken-Kompaktanlage klingen sie fast etwas zu basslastig, was aber auch an der hiesigen Aufstellung liegen kann. Denn hier sind die Boxen nicht hinter der Gardine versteckt!

 

 

 

 

 

 

Geschrieben von Benedikt Hotze

4. Januar 2021 um 02:40

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