{"id":14,"date":"2009-12-10T18:30:17","date_gmt":"2009-12-10T18:30:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=14"},"modified":"2011-01-17T15:10:31","modified_gmt":"2011-01-17T14:10:31","slug":"%e2%80%9efahr-doch-auf-dem-radweg-mann%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=14","title":{"rendered":"\u201eFahr doch auf dem Radweg, Mann!\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Anmerkungen zu einem allt\u00e4glichen Konflikt im Stra\u00dfenverkehr<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Situation kennen Sie: Sie fahren mit dem Auto durch die Stadt. Vor Ihnen f\u00e4hrt ein Radfahrer auf der Fahrbahn, obwohl augenscheinlich ein Radweg vorhanden ist. Es kommt Gegenverkehr, Sie k\u00f6nnen nicht \u00fcberholen, m\u00fcssen vielmehr abbremsen und hinter dem Radfahrer herschleichen. \u201eWarum f\u00e4hrt der nicht auf dem Radweg?\u201c, fragen Sie sich. Sie halten den Radfahrer f\u00fcr r\u00fccksichtslos, f\u00fchlen sich von seinem Verhalten gar gen\u00f6tigt. Von da ist es nicht weit zu Worten wie \u201eR\u00fcpelradler\u201c oder \u201eRadel-Rambo\u201c. \u201eDiese Radfahrer machen doch sowieso alle, was sie wollen\u201c, denken Sie sich. <!--more-->Ihre gute Erziehung verbietet es Ihnen zwar, den Radfahrer anzuhupen, zu schneiden oder gar mit \u201eFahr doch auf dem Radweg, Mann!\u201c anzubr\u00fcllen. Das erledigen daf\u00fcr andere Autofahrer t\u00e4glich tausendfach. Doch abgesehen davon, dass Sie sich mit einer solchen N\u00f6tigung wom\u00f6glich strafbar machten, kommt jetzt die Pointe:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der Radfahrer vor Ihnen handelt korrekt, er ist v\u00f6llig im Recht. Er muss den Radweg im Regelfall nicht benutzen; der Gesetzgeber hat die allgemeine Radweg-Benutzungspflicht bereits 1998 abgeschafft. Allerdings wei\u00df das kaum jemand. Daher st\u00e4ndig diese Konflikte.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, interessiert es Sie sicher auch, warum Radwege nicht mehr benutzt werden m\u00fcssen. Und warum der Radfahrer vor Ihnen nicht auf dem Radweg f\u00e4hrt. Er will Sie n\u00e4mlich keineswegs behindern oder \u00e4rgern. Er handelt vielmehr im Interesse der Verkehrssicherheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das glauben Sie jetzt nicht? Da sind Sie in guter Gesellschaft. Sogar viele Radfahrer meinen, auf dem Radweg sicherer als auf der Fahrbahn unterwegs zu sein. Ein Irrtum, der jedes Jahr viele Todesopfer kostet \u2013 vor allem bei so genannten &#8222;Abbiegeunf\u00e4llen&#8220;. Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zun\u00e4chst werden wir mal kurz juristisch. Wo Radfahrer zu fahren haben, wenn ein Radweg vorhanden ist, ist in Paragraph 2, Absatz 4 der Stra\u00dfenverkehrsordnung geregelt. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>(4) [&#8230;] Eine Benutzungspflicht der Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung besteht nur, wenn Zeichen 237, 240 oder 241 angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 d\u00fcrfen benutzt werden.<\/em><em> <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Die genannten Verkehrszeichen sind die bekannten blauen Radwege-Schilder:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-20\" title=\"Radwegschild\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Radwegschild.gif\" alt=\"Radwegschild\" width=\"199\" height=\"289\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Blick ins Gesetz zeigt also:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong> Eine Benutzungspflicht f\u00fcr Radwege ist die Ausnahme, nicht die Regel. Radwege m\u00fcssen nur dort benutzt werden, wo eines der genannten Verkehrszeichen dies anordnet.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Verkehrszeichen muss \u00fcbrigens nach jeder Einm\u00fcndung wiederholt werden, da die Benutzungspflicht sonst erlischt. Achten Sie mal drauf: Viele Radwege haben inzwischen diese Beschilderung nicht (mehr). Auch das ist kein Zufall, denn um eine Benutzungspflicht anordnen zu k\u00f6nnen, muss der Radweg bestimmte Merkmale wie Mindestbreite u.a. aufweisen. Die meisten \u00e4lteren Radwege erf\u00fcllen diese Kriterien nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dies alles ist vom Gesetzgeber so gewollt. Der Gesetzes\u00e4nderung von 1998, der so genannten \u201eRadwegnovelle\u201c, ging eine ausf\u00fchrliche Diskussion der Verkehrsexperten voraus. Deren Ergebnis hat sich im Gesetz niedergeschlagen: Da Radwege gef\u00e4hrlich sind, ist es dem Radfahrer seitdem im Normalfall \u2013 das hei\u00dft dort, wo kein blaues Radweg-Schild steht \u2013 freigestellt, sie zu benutzen oder eben nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie haben jetzt gelernt, dass Radwege normalerweise nicht benutzt werden m\u00fcssen. Aber Sie fragen sich dennoch, was das soll. Wozu gibt es denn Radwege, wenn man sie nicht benutzen muss? Alles nur Schikane, um Autofahrer zu behindern?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Kernproblem der seitlich separiert gef\u00fchrten Radwege, die oft durch parkende Autos von der Fahrbahn abgeteilt sind, ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong> Auf dem Radweg wird man als Radfahrer nicht gesehen, man wird nicht als Teil des Verkehrsgeschehens wahrgenommen. An jeder Kreuzung und Einm\u00fcndung kommt es daher zum Konflikt zwischen einbiegenden oder abbiegenden Autos und weiter geradeaus fahrenden Radfahrern.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eWo kam der denn jetzt her?\u201c, ist die verbl\u00fcffte Standardfrage eines abbiegenden Autofahrers, der wieder mal einen geradeaus fahrenden Radfahrer erst im letzten Moment gesehen und einen Unfall nur knapp vermieden hat. Sie sehen: Es ist auch in Ihrem Interesse als Autofahrer, wenn Radfahrer die Fahrbahn benutzen. Bei einem Abbiegeunfall auf dem Radweg sind Sie n\u00e4mlich in jedem Fall schuld.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kurz eine Scherzfrage zwischendurch: Finden Sie\u00a0 diese Verkehrsf\u00fchrung sinnvoll?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22 aligncenter\" title=\"Bild 1\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Bild-11.jpg\" alt=\"Bild 1\" width=\"416\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Bild-11.jpg 416w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Bild-11-300x153.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nat\u00fcrlich nicht, werden Sie jetzt sagen. Klar ist es nicht sinnvoll, eine Rechtsabbiegerspur links von einer Geradeausspur zu f\u00fchren. Doch die Grafik hat nur das Prinzip auf Fahrspuren umgem\u00fcnzt, was f\u00fcr Radwege jahrzehntelang gebaut wurde: eine Verkehrsf\u00fchrung, die in sich unsinnig ist, auch \u201edas Prinzip Radweg\u201c genannt. Die Radwegnovelle hat nun immerhin erbracht, dass eine derartige Verkehrsf\u00fchrung nicht mehr benutzt werden muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt dennoch viele Radfahrer, die sich subjektiv weiterhin auf dem Radweg sicherer f\u00fchlen, vor allem \u00c4ltere und Kinder. Sie sollen dort fahren, wo sie sich am besten aufgehoben f\u00fchlen. Sie m\u00fcssen aber um die Gefahr wissen, an jeder Einm\u00fcndung umgefahren werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und als Autofahrer werden Sie in Zukunft verst\u00e4rkt damit rechnen m\u00fcssen, dass Radfahrer die Fahrbahn benutzen. Sich dar\u00fcber aufzuregen, w\u00e4re Verschwendung von Lebensenergie. Sie wissen jetzt: Die Radfahrer handeln aus guten Gr\u00fcnden so, und das Gesetz erlaubt es ihnen. Beide Verkehrsteilnehmer m\u00fcssen sich daher in Zukunft miteinander arrangieren und den Verkehrsraum Stra\u00dfe in gegenseitiger R\u00fccksichtnahme teilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Siehe dazu auch die <a href=\"http:\/\/www.berlin.de\/polizei\/verkehr\/liste\/archiv\/28671\/\">Meinung des Berliner Polizeipr\u00e4sidenten<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anmerkungen zu einem allt\u00e4glichen Konflikt im Stra\u00dfenverkehr Diese Situation kennen Sie: Sie fahren mit dem Auto durch die Stadt. Vor Ihnen f\u00e4hrt ein Radfahrer auf der Fahrbahn, obwohl augenscheinlich ein Radweg vorhanden ist. 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