{"id":1619,"date":"2012-11-05T18:35:28","date_gmt":"2012-11-05T17:35:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=1619"},"modified":"2012-11-06T00:57:32","modified_gmt":"2012-11-05T23:57:32","slug":"zu-doof-furs-dosenpfand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=1619","title":{"rendered":"Zu doof f\u00fcrs Dosenpfand"},"content":{"rendered":"<p><strong>Man muss kein besonders begabter Kabarettist sein, um aus dem deutschen Pfandsystem f\u00fcr Getr\u00e4nkeverpackungen absurde Funken zu schlagen. Es reicht die Betrachtung eines normalen Supermarkt-Regals. Das System sei zu kompliziert, meint nun auch Umweltminister Altmeier. Er glaubt, \u201edie Deutschen seien zu doof f\u00fcrs Dosenpfand\u201c, schreibt der Spiegel in der heutigen Ausgabe 45\/2012. Da k\u00f6nnte was dran sein. Doch ein Blick ins Ausland zeigt, dass das deutsche System gar nicht so doof ist, wie viele glauben machen.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=1622\" rel=\"attachment wp-att-1622\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1622\" title=\"185px-Dpgkennz.svg\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/185px-Dpgkennz.svg_.png\" alt=\"\" width=\"185\" height=\"235\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/185px-Dpgkennz.svg_.png 185w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/185px-Dpgkennz.svg_-118x150.png 118w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><!--more--><\/p>\n<p>Drei Flaschen Cola aus Kunststoff (PET) stehen vor mir im Regal. Die Ein-Literflasche kostet 15 Cent Pfand, weil sie als \u201eMehrwegflasche\u201c gilt, obwohl sie nur einmal gef\u00fcllt und dann geschreddert wird. Die 1,5-Literflasche kostet 25 Cent Pfand, weil sie eine Einwegflasche ist. Einwegflaschen werden ebenfalls nur einmal gef\u00fcllt und dann geschreddert. Sie werden aber nach einem Gesetz, das die Regierung Kohl mit Umweltministerin Merkel angesto\u00dfen hatte und das vom rotgr\u00fcnen Umweltminister Trittin zum 1. 1. 2003 umgesetzt wurde, mit 25 Cent \u201ezwangsbepfandet\u201c. Damit sollen die Leute vom Kauf dieser Flaschen abgehalten werden, was augenscheinlich nicht besonders gut funktioniert. Die daneben stehende 3,001-Literflasche kostet \u00fcberhaupt kein Pfand, obwohl sie eine Einwegflasche ist. Sie nutzt eine Bestimmung in der Verordnung, derzufolge Gebinde oberhalb von 3 Liter Gr\u00f6\u00dfe vom Zwangspfand ausgenommen sind.<\/p>\n<p>Der genannte Kabarettist k\u00f6nnte sich jetzt weiterhin lustig machen \u00fcber die verschiedenen Getr\u00e4nkesorten und deren Pfandfolgen: Bierdosen kosten Pfand, Prosecco-Dosen nicht. Mineralwasser kostet Pfand, Sekt nicht. Orangenlimonade kostet Pfand, Orangensaft nicht. Eistee in Flaschen kostet Pfand, Eistee in Kartonverpackungen nicht. Nat\u00fcrlich wirkt das alles im Einzelfall absurd. Erkl\u00e4ren l\u00e4sst sich das mit der komplizierten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einwegpfand\" target=\"_blank\">Entstehungsgeschichte<\/a> des Einwegpfands \u2013 was hier zu weit f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Einig sind sich alle, dass das Ziel, die Mehrwegverpackung zu st\u00e4rken, nicht erreicht wurde. Vielmehr hat sich die Mehrwegquote seit Einf\u00fchrung des Einwegpfands halbiert (au\u00dfer bei Bier, wo sie leicht anstieg). Ein Schaden f\u00fcr die Umwelt also auf ganzer Linie? Nein, denn meist bleibt unber\u00fccksichtigt, dass die Verbraucher die Einwegflaschen \u2013 abgesehen vom so genannten Pfandschlupf \u2013 zum gr\u00f6\u00dften Teil ja wieder zur\u00fcckbringen. Damit k\u00f6nnen sie sortenrein recycelt werden. Das ist zwar nach Auskunft der Experten weniger umweltfreundlich, als eine Mehrwegflasche x-fach wieder zu bef\u00fcllen. Aber es erscheint als die zweitbeste L\u00f6sung. Zumal wir ja schon gelernt haben, dass PET-Flaschen auch dann geschreddert werden, wenn sie Mehrwegflaschen hei\u00dfen. F\u00fcr Limonade und Wasser, die heute weitgehend in PET-Flaschen angeboten werden, gibt es also in Hinblick auf die Umwelt keinen Unterschied zwischen Einweg- umd Mehrwegflasche.<\/p>\n<p>Bei Bier hingegen hat sich die Mehrweg-Glasflasche offenbar stabilisiert. Das kann jeder aus dem Alltag best\u00e4tigen: Wo fr\u00fcher an Tankstellen und Imbissbuden Bier in Dosen oder Einweg-Glasflaschen verkauft wurde, wird heute die klassische Mehrwegflasche ausgegeben. Ein Problem stellt allerdings dar, dass viele Brauereien aus Marketinggr\u00fcnden auf propriet\u00e4re Flaschenformate setzen, die den Sortier- und Transportaufwand deutlich erh\u00f6hen. Lediglich die Discounter haben ein neues Gebinde erfunden: Sie verkaufen ihr (Eigenmarken-)Bier in 6er-Tr\u00e4gern aus PET-Flaschen mit Schraubverschluss. Die Getr\u00e4nkedose, die dem Einwegpfand seinen Namen gab, ist hingegen gl\u00fccklicherweise weitgehend verschwunden. Ge\u00f6ffnete Dosen lassen sich eben nicht besonders praktisch und hygienisch zum Handel zur\u00fccktransportieren.<\/p>\n<p>Richtig ist, dass viele Verbraucher den Unterschied zwischen Mehr- und Einwegflaschen nicht kennen bzw. glauben, gerade wegen des Pfandes eine Mehrwegflasche zu erwerben. Hier will der Umweltminister jetzt aufkl\u00e4ren und Einwegflaschen besonders deutlich als \u00f6kologisch nachteilig kennzeichnen. Das scheint nach dem Gesagten einigerma\u00dfen \u00fcberfl\u00fcssig zu sein: Bei Wasser und Limo wird sowieso nicht wiederbef\u00fcllt, und bei Bier funktioniert die Mehrwegflasche auch so.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Wer seinen Urlaub in L\u00e4ndern ohne jegliche Pfandsysteme macht, sehnt sich nach deutschen Zust\u00e4nden. W\u00e4hrend man in Italien und Spanien immerhin f\u00fcr Glas- und Kunststoff-Flaschen allerorts Sammelbeh\u00e4lter findet, gibt es diese in Frankreich meist nur f\u00fcr Glas. PET-Flaschen wandern dort in gro\u00dfer Zahl in den Hausm\u00fcll. Wenn das die Alternative ist, findet man das deutsche R\u00fcckgabe-System auf einmal gar nicht mehr so doof.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man muss kein besonders begabter Kabarettist sein, um aus dem deutschen Pfandsystem f\u00fcr Getr\u00e4nkeverpackungen absurde Funken zu schlagen. Es reicht die Betrachtung eines normalen Supermarkt-Regals. 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