{"id":1827,"date":"2013-02-03T13:42:31","date_gmt":"2013-02-03T12:42:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=1827"},"modified":"2013-07-22T00:07:31","modified_gmt":"2013-07-21T22:07:31","slug":"adolf-sommerfeldandrew-sommerfield-bauen-fur-berlin-1910-1970","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=1827","title":{"rendered":"Adolf Sommerfeld\/Andrew Sommerfield: Bauen f\u00fcr Berlin 1910-1970"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Geschichte der modernen Architektur wird hier einmal nicht als Architektenbiografie erz\u00e4hlt: Ein spannendes Buch stellt den ungew\u00f6hnlichen Bauunternehmer Adolf Sommerfeld (1886-1964) vor. Er war sozial, kunstsinnig und nicht zuf\u00e4llig mit Walter Gropius befreundet.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=1828\" rel=\"attachment wp-att-1828\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1828 alignnone\" alt=\"Bildschirmfoto 2013-02-01 um 17.59.38\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Bildschirmfoto-2013-02-01-um-17.59.38.jpg\" width=\"599\" height=\"743\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Bildschirmfoto-2013-02-01-um-17.59.38.jpg 599w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Bildschirmfoto-2013-02-01-um-17.59.38-120x150.jpg 120w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Bildschirmfoto-2013-02-01-um-17.59.38-241x300.jpg 241w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Dieser Mann lie\u00df die ersten modernen Villen in Berlin bauen. So kann man es jedenfalls zugespitzt ausdr\u00fccken: Der Unternehmer Adolf Sommerfeld wollte ab 1922 eine Gro\u00dfsiedlung in Zehlendorf-Nord entwickeln. Um neue Schichten als K\u00e4ufer zu gewinnen, bebaute er markante Ecken des gro\u00dfen Terrains mit auffallenden H\u00e4usern. So entstanden die vier flachgedeckten, kubischen Villen der &#8222;Landhaussiedlung Sommerfelds Aue&#8220;, die im Jahr 1923 errichtet wurden \u2013 und damit zeitgleich mit zwei Villen anderenorts in Berlin aus dem selben B\u00fcro, von denen ihr Architekt Erich Mendelsohn eine als &#8222;die erste moderne Villa in Berlin&#8220; bezeichnet hatte. Die H\u00e4user in Sommerfelds Aue stammten von dem jungen \u00f6sterreichischen Architekten Richard Neutra, der sp\u00e4ter in den USA ber\u00fchmt werden sollte und der damals in Mendelsohns B\u00fcro angestellt war. Die Autorin weist nach, dass Neutra zwar unter Mendelsohns Einfluss stand, jedoch als Urheber der Entw\u00fcrfe gelten kann.<\/p>\n<p>Der Clou an &#8222;Sommerfelds Aue&#8220; waren elektrisch bet\u00e4tigte Drehscheiben im Wohnzimmer, die aus der klassischen Anrichte ein bewegliches Raumsegment machten. Diese technische Innovation stammt vermutlich vom Bauunternehmer Sommerfeld selbst. Leider wurde sie kaum genutzt und schon bald wieder ausgebaut. Die H\u00e4user im (damaligen) suburbanen Niemansland erwiesen sich am Markt als kaum verk\u00e4uflich, weswegen sie von leitenden Mitarbeitern von Sommerfelds Bauunternehmen erworben werden mussten. Rundherum entstand in den Jahren 1925 bis 1932 die ber\u00fchmt gewordene Bruno-Taut-Siedlung &#8222;Onkel Toms H\u00fctte&#8220;, die Sommerfelds Firma f\u00fcr die Wohnungsbaugesellschaft Gehag errichtete.<\/p>\n<p>Und da sind wir auch schon bei dem Thema, mit dem Sommerfeld bekannt wurde: Der Unternehmer hatte, wie die Terraingesellschaften vor dem ersten Weltkrieg, ein gro\u00dfes St\u00fcck Land erworben. Allerdings parzellierte und entwickelte er es nicht \u2013 wie diese \u2013 selbst, sondern arbeitete mit der gemeinn\u00fctzigen Gehag zusammen. Die Wohnungsnot nach dem ersten Weltkrieg und eine &#8222;linke&#8220; Politik in Berlin erm\u00f6glichte ab 1924 den Bau gemeinn\u00fctziger Siedlungen. Das daf\u00fcr erforderliche Subventionskapital wurde durch Absch\u00f6pfen einer &#8222;Hauszinssteuer&#8220; bei den bestehenden Grundbesitzern eingesammelt \u2013 ein klassischer Fall von Umverteilung also, der die heute teilweise zum Unesco-Weltkulturerbe geh\u00f6renden Siedlungen der klassischen Moderne erst erm\u00f6glichte. Adolf Sommerfeld war dabei \u201cein Unternehmer, der als privatwirtschaftlicher Akteur in der Stadtentwicklung und im Wohnungsbau mit \u00e4hnlichen Zielsetzungen und \u00dcberzeugungen agierte wie [der sozialvision\u00e4re Politiker Martin] Wagner selbst\u201c.<\/p>\n<p>Dieses Buch erz\u00e4hlt die Story der im b\u00fcrgerlichen Bezirk Zehlendorf damals heftig angefeindeten Sozialsiedlung aus der Optik des Unternehmers Sommerfeld, was der Baugeschichte eine bisher nicht gekannte Facette gibt. Zum Beispiel die Geschichte, dass Sommerfeld die Verl\u00e4ngerung der U-Bahnlinie zur Erschlie\u00dfung der Siedlung selbst finanzierte und der Stadt schenkte&#8230; Sommerfeld hatte schon 1923 sein Privathaus von dem mit ihm befreundeten Architekten Walter Gropius bauen lassen, was dem \u0152uvre des Architekten einen der wenigen Bauten seiner kurzen expressionistischen Phase einbrachte.<\/p>\n<p>Das zweite Projekt, das auf immer mit dem Namen Sommerfeld verbunden sein wird, ist die ab 1932 errichtete &#8222;B\u00fcrgerhaussiedlung&#8220; in <a title=\"S\u00fcdwestlich siedeln: Zwei B\u00fccher \u00fcber Kleinmachnow bei Berlin\" href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=1256\" target=\"_blank\">Kleinmachnow<\/a>, deren spitzdachige Siedlungsh\u00e4uschen den Charakter des Ortes bis heute entscheidend pr\u00e4gen. Sommerfeld musste 1933 unter Zur\u00fccklassung deines Verm\u00f6gens emigrieren, kehrte aber nach dem Krieg unter dem in England angenommenen Namen Andrew Sommerfield nach Berlin zur\u00fcck und beteiligte sich am Wiederaufbau, ohne an die Bedeutung seiner T\u00e4tigkeiten von vor dem Krieg ankn\u00fcpfen zu k\u00f6nnen. Er starb 1964 in der Schweiz.<\/p>\n<p>Auf dem Grundst\u00fcck des kriegszerst\u00f6rten Hauses Sommerfeld in Berlin-Lichterfelde entstand nach dem Krieg eine kleine Reihenhaussiedlung. Die bruchsteinerne Umfassungsmauer mit dem Haupttor blieb teilweise erhalten. Die Autorin wuchs in der N\u00e4he auf und fragte sich als Kind immer, was hinter diesem Tor zu finden sei. Mit diesem umfassend recherchierten Buch hat sie sich selbst die Antwort gegeben: Diese Tor f\u00fchrte in die Welt des au\u00dfergew\u00f6hnlichen Bauunternehmers Adolf Sommerfeld.<\/p>\n<p><em>Celina Kress:<br \/>\nAdolf Sommerfeld | Andrew Sommerfield<br \/>\nBauen f\u00fcr Berlin 1910-1970<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.lukasverlag.com\/programm\/gegenwartskunst-a-literatur\/titel\/276-adolf-sommerfeld-andrew-sommerfield.html\" target=\"_blank\">Lukas Verlag<\/a>, Berlin 2011<br \/>\nISBN978-3-86732-081-8, 286 Seiten, 288 Abb., 39,80 \u20ac<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte der modernen Architektur wird hier einmal nicht als Architektenbiografie erz\u00e4hlt: Ein spannendes Buch stellt den ungew\u00f6hnlichen Bauunternehmer Adolf Sommerfeld (1886-1964) vor. 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