{"id":2682,"date":"2014-04-06T22:14:45","date_gmt":"2014-04-06T20:14:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=2682"},"modified":"2014-04-25T01:23:53","modified_gmt":"2014-04-24T23:23:53","slug":"eine-nutzung-ist-nicht-vorgesehen-minimalistische-denkmalpflege-am-kz-sachsenhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=2682","title":{"rendered":"&#8222;Nutzung nicht vorgesehen&#8220;: Minimalistische Denkmalpflege am KZ Sachsenhausen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das &#8222;Gr\u00fcne Ungeheuer&#8220; ist saniert worden. Oder zumindest gesichert: Ein Geb\u00e4ude an der KZ-Gedenkst\u00e4tte Sachsenhausen in wichtiger st\u00e4dtebaulicher Lage ist vor dem weiteren Verfall bewahrt worden \u2013 indem man es ohne Nutzung und ohne Fenster in situ konserviert hat. Eine eher ungew\u00f6hnliche denkmalpraktische Ma\u00dfnahme&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2689\" alt=\"700_P1070070\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/700_P1070070.jpg\" width=\"700\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/700_P1070070.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/700_P1070070-200x133.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/700_P1070070-449x300.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><!--more-->Das kennt man: Die KZ-Gedenkst\u00e4tte Sachsenhausen in Oranienburg, nordwestlich von Berlin, ist vor rund zehn Jahren grundlegend umgestaltet und saniert worden. Dabei wurde die &#8222;Station Z&#8220; als zentraler Gedenkort von HG Merz gestaltet. Allerdings fiel auch danach noch ein Geb\u00e4ude im Zustand des fortschreitenden Verfalls ins Auge \u2013 das ehemalige Kasino des SS-Truppenlagers. Dieses Geb\u00e4ude bildet den Anfangspunkt der Hauptachse der KZ-Anlage und ihrer zu DDR-Zeiten erfolgten monumentalen \u00dcberformung, die am anderen Ende dieser Achse auf einen Betonobelisken von 1959\/60 f\u00fchrt. Anders gesagt: Direkt gegen\u00fcber des Haupteingangs, wenige Meter vom touristischen Parcours entfernt, stand jahrelang ohne n\u00e4here Erkl\u00e4rung eine Ruine.<\/p>\n<p>Ob es im Zusammenhang mit Konzentrationslagern angebracht ist, Geb\u00e4ude mit Spitznamen zu versehen, mag dahingestellt sein. Jedenfalls wird dieser Bau im Volksmund als &#8222;Gr\u00fcnes Ungeheuer&#8220; bezeichnet \u2013 ein Name, den auch der &#8222;Dehio&#8220; nennt. Das Haus war Bestandteil der SS-Truppenkaserne, die den m\u00f6rderischen Betrieb des Konzentrationslagers \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht hat.<\/p>\n<p>Nicht schlecht gestaunt haben wir bei unserem heutigen erneuten Besuch, als sich das Kasino auf den ersten Blick als saniert pr\u00e4sentierte. Doch irgendetwas stimmt hier nicht: Die Fenster\u00f6ffnungen sind vorhanden, aber mit undurchsichtigen Platten verschlossen. Im &#8222;Mittelschiff&#8220; sind provisorisch verst\u00e4rkte alte Holzbinder zu sehen, aber keine raumabschlie\u00dfenden W\u00e4nde. Die flachen Walmd\u00e4cher sind mit simpler Dachpappe neu gedeckt. Das Geb\u00e4ude ist unzug\u00e4nglich. Was mag darin sein?<\/p>\n<p>Im Netz finden wir eine <a href=\"http:\/\/www.gedenkstaettenforum.de\/nc\/aktuelles\/einzelansicht\/news\/teilrekonstruktion_und_bestandssicherung_eines_zentralen_taeter_gebaeudes_im_ehemaligen_kz_komplex\/\" target=\"_blank\">Presseerkl\u00e4rung<\/a>\u00a0der\u00a0Stiftung Brandenburgische Gedenkst\u00e4tten aus dem Jahr 2011, in der die damals geplanten Sicherungsarbeiten angek\u00fcndigt werden. Darin hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Der auf einem massiven Kellergeschoss errichtete Holzbau (ca. 90 x 50 m) nahm mit seinen Mittel-, Seiten- und Querschiffen sowie einer kleinen Apsis Elemente der Sakralarchitektur auf und beherbergte Speises\u00e4le, K\u00fcchen und Kantinen sowie Offizierskasinos.\u00a0Wahrscheinlich erst nach 1945 erhielt das markante Bauwerk den Beinamen \u201eGr\u00fcnes Ungeheuer\u201c.\u00a0Im Rahmen der Bauma\u00dfnahme werden der der Gedenkst\u00e4tte zugewandte Nordfl\u00fcgel sowie der S\u00fcdfl\u00fcgel mit dem ehemaligen Haupteingang saniert und teilweise rekonstruiert. \u00dcber dem weitgehend zerst\u00f6rten Mittelteil, wo sich der Speisesaal befand, wird ein neues Dach errichtet. Auf diese Weise soll bis Ende 2012 die Raumwirkung des Geb\u00e4udes wieder hergestellt werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Markant ist der lapidare letzte Satz:<\/p>\n<blockquote><p>Eine Nutzung ist nicht vorgesehen.<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2690\" alt=\"700_P1070072\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/700_P1070072.jpg\" width=\"700\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/700_P1070072.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/700_P1070072-200x135.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/700_P1070072-443x300.jpg 443w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &#8222;Gr\u00fcne Ungeheuer&#8220; ist saniert worden. 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