{"id":3233,"date":"2015-03-26T20:57:37","date_gmt":"2015-03-26T19:57:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=3233"},"modified":"2015-12-02T01:13:57","modified_gmt":"2015-12-02T00:13:57","slug":"wie-authentisch-muss-denn-die-fliegeruhr-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=3233","title":{"rendered":"Fliegeruhren heute: Was ist authentisch?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Zweiten Weltkrieg hatte das Reichsluftfahrtministerium des Nazi-Regimes genaue Vorgaben (&#8222;Lastenheft&#8220;) f\u00fcr den Bau der so genannten Beobachtungsuhr (B-Uhr) gemacht. Diese Uhr, damals von f\u00fcnf namhaften Herstellern (Wempe, Laco, Stowa, A. Lange &amp; S\u00f6hne sowie der schweizerischen IWC) sozusagen &#8222;in G\u00f6ring-Lizenz&#8220; f\u00fcr Hitlers Wehrmacht gebaut, wurde gleichwohl zur Design-Ikone und zum Vorbild f\u00fcr unz\u00e4hlige Uhren-Entw\u00fcrfe weltweit bis heute. Inzwischen \u00fcberbieten sich einige Hersteller mit m\u00f6glichst &#8222;authentisch&#8220; dem Original nachempfundenen Fliegeruhren \u2013 und lassen sich dabei bisweilen zu Albernheiten hinrei\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3237\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5483_cropped.jpg\" alt=\"IMG_5483_cropped\" width=\"700\" height=\"901\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5483_cropped.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5483_cropped-117x150.jpg 117w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5483_cropped-233x300.jpg 233w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Die originale B-Uhr war ungew\u00f6hnlich gro\u00df; ihr Durchmesser betrug 55 mm. Das l\u00e4sst sich an einem unbekleideten Unterarm kaum sinnvoll tragen. So haben die Navigatoren (nicht die Piloten!) der deutschen Luftwaffe diese Uhren denn auch \u00fcber der Kleidung getragen. Nahezu alle Fliegeruhren, die heute hergestellt werden, haben wesentlich kleinere Durchmesser; die \u00fcbliche Spanne geht von moderaten 36 mm bis zu protzigen 47 mm. Ich pers\u00f6nlich halte alles oberhalb von 42 oder 43 mm f\u00fcr zu gro\u00df, weil unbequem zu tragen.<\/p>\n<p>Der wichtigste Unterschied ist also die Gr\u00f6\u00dfe. Heutige Repliken zoomen die typischen Merkmale der B-Uhr einfach auf das gew\u00fcnschte Ma\u00df herunter. Damit wird bereits jede Rede von Authentizit\u00e4t ziemlich gewagt: Wie kann eine Uhr authentisch sein, die eine v\u00f6llig andere Gr\u00f6\u00dfe als das Original hat?<\/p>\n<p>Kurzer R\u00fcckblick: Die &#8222;B-Uhr&#8220; gab es in zwei Baumustern: Baumuster A (1940\u201341) mit gro\u00dfem Stundenkreis (Ziffern 1 bis 11, statt der &#8222;12&#8220; ein Dreieck) und Baumuster B (ab 1941) mit gro\u00dfem Minutenkreis von 5 bis 55, statt der &#8222;60&#8220; ein Dreieck und mit kleinem Stundenkreis 1 bis 12. Die Uhren der f\u00fcnf Hersteller unterschieden sich \u00e4u\u00dferlich kaum. Eine Markenbezeichnung gab es ebenso wenig wie zus\u00e4tzliche Komplikationen wie Datum oder weitere\u00a0Zifferbl\u00e4tter. Angetrieben wurden die Uhren mit einem mechanischen Werk mit Handaufzug, hier hat jeder Hersteller &#8222;sein&#8220; Kaliber eingesetzt.<\/p>\n<p>Heutige Repliken haben meist ein Automatikwerk, oft\u00a0kommt das Schweizer Kaliber ETA 2824-2 zum Einsatz, bei preiswerteren Uhren auch das japanische\u00a0<span class=\"st\">Miyota 821A. Noch preiswertere Fliegeruhren haben ein Quarzwerk. Die unterschiedlichen preislichen Abstufungen lassen sich gut auf der <a href=\"https:\/\/shop.laco.de\/de\/Fliegerhuhr-A.html\" target=\"_blank\">Fliegeruhren-A-Seite von Laco<\/a>\u00a0 studieren: Hier gibt es alles von 198 Euro (Modell Genf 42 mm mit Quarzwerk und Datum) \u00fcber die klassischen Fliegeruhren wie Modell M\u00fcnster 42 mm mit ETA-Automatikwerk und ohne Firmenlogo (850 Euro) bis hin zur superauthentischen Total-Replika mit 55 mm Durchmesser und Handaufzug f\u00fcr 2998 Euro. Bei <a href=\"https:\/\/www.stowa.de\/Flieger\/index.htm\">Stowa<\/a> ist man stolz darauf, als erstes Unternehmen Modellvarianten ohne Firmenlogo auf den Markt gebracht zu haben \u2013 hier kostet die Fliegeruhr ohne Logo 840 Euro, mit Logo 780. Der Durchmesser ist 40 mm, verbaut ist das genannte ETA-Automatikwerk.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ich habe Stowa und Laco herangezogen, weil es sich dabei um so genannte &#8222;Original-Hersteller&#8220; handelt, die\u00a0 \u2013 bzw. ihre Vorg\u00e4ngerfirmen \u2013 damals zu den f\u00fcnf Unternehmen mit der &#8222;G\u00f6ring-Lizenz&#8220; geh\u00f6rten. Unter Uhren-Fans wird <a href=\"http:\/\/uhrforum.de\/fliegeruhr-um-500-00-was-geht-da-t103946-2\">leidenschaftlich diskutiert<\/a>, ob eine heutige Fliegeruhr von einem &#8222;Original-Hersteller&#8220; stammen sollte, oder ob sie auch von einer anderen Firma sein darf. Dabei genannt wird gerne die Firma Ickler mit ihrer Marke <a href=\"http:\/\/www.archimede-uhren.de\/uhren\/pilot.html\" target=\"_blank\">Archimede<\/a>. Von Archimede bekommt man die sauber verarbeitete <a href=\"http:\/\/www.archimede-uhren.de\/uhren\/pilot\/automatik-42h.html\" target=\"_blank\">Pilot 42 H Automatik<\/a> (ebenfalls mit ETA-Werk) schon f\u00fcr 535 Euro mit dem Merkmal &#8222;H&#8220; wie &#8222;historisch&#8220; \u2013 ohne Markenlogo und mit &#8222;original&#8220; geblauten Zeigern. Allerdings hat diese Uhr einen Glasboden \u2013 damit man wohl optisch beweisen kann, dass die Uhr mechanisch tickt. Bei Archimede muss man 45 Euro mehr\u00a0ausgeben, um einen vollfl\u00e4chigen Stahlboden zu bekommen.<\/p>\n<p>Andere reichern solche\u00a0Glasb\u00f6den dann noch mit touristischem Nippes wie der Silhouette der Dresdener Frauenkirche an (Bild unten; gesehen am Dresdener Neumarkt).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3247\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Gesicht.jpg\" alt=\"Flieger_mit_Frauenkirche\" width=\"700\" height=\"501\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Gesicht.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Gesicht-200x143.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Gesicht-419x300.jpg 419w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p>Im Ringen um &#8222;Authentizit\u00e4t&#8220; (dieses Wort gebrauchen die Hersteller durchg\u00e4ngig) ahmen sie alles nach, was die originale B-Uhr gekennzeichnet hat \u2013 bei manchen mit Aufpreis. So muss die Gravur\u00a0&#8222;FL 23883&#8220; der originalen milit\u00e4rischen Ger\u00e4tebezeichnung bei Archimede mit 60 Euro extra bezahlt werden. Auch der Boden war im Original mit einer Art Typenschild\u00a0graviert; das ahmen die heutigen Hersteller ebenfalls nach. Unfreiwillig komisch endet das dann etwa bei Stowa, wenn das\u00a0&#8222;Typenschild&#8220; mit dem &#8222;Erlebnis&#8220;-Glasboden kollidiert und dann beides unter die\u00a0Uhr muss \u2013 eindrucksvoll zu besichtigen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.stowa.de\/cosmoshop\/pix\/a\/z\/fliegerohnelogo\/g\/flieger_ologo_shop_r_ck_800_2015.jpg\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit: &#8222;Authentisch&#8220; sind diese Uhren nicht \u2013 aber sch\u00f6n.<\/strong> Daher reicht mir das preiswerteste Muster aus diesem Reigen: die <a href=\"https:\/\/shop.laco.de\/en\/Pilot-Watches\/Genf.html\">Laco Genf<\/a> mit Quarz\u00a0&amp;\u00a0Datum f\u00fcr 198 Euro. (Den Wochentag h\u00e4tte ich nicht gebraucht). Und dann spare ich ganz dolle auf eine <a href=\"http:\/\/www.iwc.com\/forum\/en\/discussion\/58666\/\">IWC Mark XVI<\/a>. Die kostet gebraucht etwa 2.600 Euro und hat erst gar nicht den Anspruch, &#8222;authentisch&#8220; sein zu wollen. Damit ist die IWC f\u00fcr mich authentischer als all der eifrig\u00a0nachgemachte Nippes mit\u00a0Pseudo-Wehrmachtsgravuren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3278\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5590_laco_cropped.jpg\" alt=\"IMG_5590_laco_cropped\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5590_laco_cropped.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5590_laco_cropped-200x150.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5590_laco_cropped-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3277\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5591_laco_cropped.jpg\" alt=\"IMG_5591_laco_cropped\" width=\"700\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5591_laco_cropped.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5591_laco_cropped-200x133.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_5591_laco_cropped-452x300.jpg 452w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3279\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mark_XVI_Leder.jpg\" alt=\"Mark_XVI_Leder\" width=\"325\" height=\"510\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mark_XVI_Leder.jpg 325w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mark_XVI_Leder-96x150.jpg 96w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mark_XVI_Leder-191x300.jpg 191w\" sizes=\"auto, (max-width: 325px) 100vw, 325px\" \/><\/p>\n<p>Foto: <a href=\"http:\/\/watch-wiki.org\/index.php?title=IWC_Fliegeruhr_Mark_XVI\">watch-wiki.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zweiten Weltkrieg hatte das Reichsluftfahrtministerium des Nazi-Regimes genaue Vorgaben (&#8222;Lastenheft&#8220;) f\u00fcr den Bau der so genannten Beobachtungsuhr (B-Uhr) gemacht. 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