{"id":330,"date":"2010-05-21T23:51:08","date_gmt":"2010-05-21T21:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=330"},"modified":"2012-06-11T00:24:43","modified_gmt":"2012-06-10T22:24:43","slug":"paradis-in-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=330","title":{"rendered":"Le Paradis in Paris"},"content":{"rendered":"<p>Klar ist Paris teuer. Die \u00fcblichen Lokale an den gro\u00dfen Boulevards sind f\u00fcr normal verdienende Besucher eigentlich unbezahlbar \u2013 was nicht zuletzt an den hohen Getr\u00e4nkepreisen liegt. Wie kann man in hier dennoch preiswert essen? Wir haben ein kleines Restaurant in Montparnasse gefunden, in dem man mit rund 40 Euro auf der Rechnung zu zweit gl\u00fccklich wird: dreig\u00e4ngig, mit Aperitiv und Wein \u2013 und in jedem Fall landestypisch.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=332\" rel=\"attachment wp-att-332\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-332\" title=\"R0011522_700\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/R0011522_700.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/R0011522_700.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/R0011522_700-200x123.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/R0011522_700-484x300.jpg 484w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Aber holen wir erstmal aus.<\/p>\n<p>Trotz der hohen Preise sind die beiden Lokale, die uns hier am Bd. Edgar Quinet in Montparnasse als typische Beispiele f\u00fcr den \u201eStandard\u201c als erstes ins Auge fallen, mittags wie abends gut gef\u00fcllt: Im \u201eCaf\u00e9 de la Place\u201c und im \u201eCaf\u00e9 Odessa\u201c essen die Leute im Freien eine Kleinigkeit, ein Sandwich, ein Cr\u00eape oder einen Salat. Es sind Einheimische, Berufst\u00e4tige, Junge und Mittelalte, jedenfalls kaum Touristen.<\/p>\n<p>Die dazugeh\u00f6rigen Getr\u00e4nkepreise sind es nun, die wir atemberaubend finden. Erfrischungsgetr\u00e4nke wie eine simple Cola kosten 4,50 Euro (serviert wird eine 0,33 l-Flasche); ein kleines Bier (0,25 l, \u201edemi\u201c) will ebenfalls mit 4,50 Euro bezahlt werden. Ein halber Liter Bier vom Fass (\u201epinte\u201c) kostet hier durchg\u00e4ngig die absurde Summe von 8 Euro. So teuer ist es nicht mal in Venedig in vorderster (Wasser-) Front. In vergleichbaren Lokalen in Berlin wird 3,50 Euro f\u00fcr einen halben Liter Pils schon als eher teuer empfunden; in M\u00fcnchen gibt&#8217;s die Halbe Helles durchaus schon f\u00fcr 2,80 Euro.<\/p>\n<p>Der Wein wird in Paris in Winzgl\u00e4sern von 0,14 l ausgeschenkt und kostet f\u00fcr diesen Fingerhut mindestens 3,50 bis 4,50 Euro, eine Halbliterkaraffe offenen Weines schl\u00e4gt in den \u00fcblichen Lokalen mit mindestens 12, gern aber auch mit 15 und mehr Euro zu Buche. Diese Preise sind Standard in Paris, nicht etwa besondere Spitzen an touristischen Hotspots.<\/p>\n<p>Warum ich so auf den Getr\u00e4nkepreisen herumreite? Weil sie nat\u00fcrlich erheblichen Einfluss auf die Endrechnung im Restaurant haben. Denn kaum jemand mag sich beim Abendessen auf die kostenlose <em>Carafe d&#8217;eau<\/em> aus Leitungswasser beschr\u00e4nken (die hier im Unterschied zu Deutschland allerdings anstandslos gereicht wird).<\/p>\n<p>Auf der Suche nach einer preiswerten, dennoch landestypischen Abendmahlzeit haben wir in Paris jedenfalls sehr viele Lokale gesehen, denen wir uns nicht anvertraut haben. Brasserien an gro\u00dfen Boulevards mit roter Markise und befrackten Kellnern offerieren das obligatorische <em>Steak frites<\/em> f\u00fcr 16,90 Euro aufw\u00e4rts \u2013 Nebenkostendesaster durch horrende Getr\u00e4nkepreise inklusive.<\/p>\n<p>Ein kleines Paradies fanden wir dann in der schmalen <em>Rue du Paradis<\/em>, ganz in der N\u00e4he des Bahnhofs Montparnasse. Das Innere des \u201e<a href=\"http:\/\/www.restaurantleparadis.fr\">Restaurant du Paradis<\/a>\u201c gibt sich eher \u201eurig\u201c als mond\u00e4n (und mit sicher deutlichen Schw\u00e4chen bei der einzigen Toilette). Die Einheimischen am Nachbartisch wiesen darauf hin, dass die Ansammlung von Madonnen-Devotionalien \u00fcber dem Tresen keinesfalls von Franzosen stammen k\u00f6nne, der Wirt komme sicher aus Spanien oder Portugal. Wir hingegen meinten auch noch einen nordafrikanischen Touch festgestellt zu haben.<\/p>\n<p>Es werden Men\u00fcs zu 8, 10, 12 und 15 Euro angeboten. Beim 12-Euro-Men\u00fc w\u00e4hlten wir bei unserem ersten Besuch einen Nizzasalat als Vorspeise, der mit Dosenmais und geraspelten M\u00f6hren zugegebenerma\u00dfen nicht ganz dem Original entsprach. Thunfisch und Ei waren allerdings dabei. Als Hauptgericht kam ein \u201eFaux Filet\u201c, also ein gegrilltes Rinderlendensteak, mit klasse hausgemachten Pommes Frites. Dass das Steak alles andere als durch war, beruhte auf einem Kommunikationsfehler des Gastes. Die beiden (gro\u00dfen) Kugeln Pistazien- und Cassis-Eis, die wir zum Nachtisch w\u00e4hlten, waren von vorbildlicher geschmacklicher Dichte. Das Cous-Cous mit Huhn, das wir f\u00fcr 10 Euro \u00e0 la carte orderten, kam opulent und unerwartet auf gleich drei Tellern bzw. Terrinen: eine f\u00fcrs Couscous, eine f\u00fcr eine Gem\u00fcsepfanne, und die dritte trug einen H\u00e4hnchenschenkel. Zuvor war \u2013 ebenfalls \u00e0 la carte \u2013 eine typische franz\u00f6sische Zwiebelsuppe mit Crouton und K\u00e4segratin aufgetischt worden.<\/p>\n<p>Bei den Getr\u00e4nkepreisen gibt es im <em>Le Paradis<\/em> eine deutliche Entspannung gegen\u00fcber dem oben zitierten Standard. Ein halber Liter gut trinkbaren offenen Weins (rot, wei\u00df, ros\u00e9) kostet hier mit 6 Euro weniger als die H\u00e4lfte des nebenan \u00dcblichen. Das Bier (Kronenbourg) zum Aperitiv sollte laut Karte 3,50 Euro kosten und 0,33 l beinhalten; tats\u00e4chlich kam eine 0,25 l-Flasche, die dann aber auch nur mit glatten 3 Euro berechnet wurde. Beim ersten Abend standen am Ende moderate 38 Euro f\u00fcr zwei auf der Rechnung. Soviel zahlen wir \u2013 bei zur\u00fcckhaltender Bestellung \u2013 in Berlin beim Griechen um die Ecke auch.<\/p>\n<p>Am zweiten Abend haben wir dann im Rahmen des (teuersten!) 15-Euro-Men\u00fcs eine pikante Fischsuppe bekommen, dann zwei gro\u00dfe Lammkoteletts als Hauptgericht, und an der Position des Desserts erhielten wir auf Wunsch anstandslos und ohne Aufpreis eine auf der Karte nicht vorgesehene kleine K\u00e4seauswahl gereicht. Das Faux Filet im Rahmen des 12-Euro-Men\u00fcs war dieses Mal allerdings auf einer Seite zu schwarz gegrillt \u2013 wohl die \u00dcberreaktion der K\u00fcche auf unseren Wunsch, das Steak\u00a0 \u201ebien cuite\u201c haben zu wollen.<\/p>\n<p>Fazit: Es gibt unz\u00e4hlige Restaurants dieser Art in typischen Urlaubsgebieten, und sicher auch zu Hunderten in Paris. Nicht alles ist hier perfekt, aber der Gast wird nicht geneppt, das Essen ist reichlich, und die Rechnung bleibt am Ende \u00fcberschaubar. F\u00fcr Montparnasse ist das \u201eLe Paradis\u201c also eine kleine Entdeckung.<\/p>\n<p>Restaurant Le Paradis, 18 rue Maine, 75014 Paris<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.restaurantleparadis.fr\">www.restaurantleparadis.fr<\/a><\/p>\n<p>Nachtrag:<\/p>\n<p>In der rue d&#8217;Odessa ganz in der N\u00e4he ist noch ein preiswertes Lokal mit traditioneller franz\u00f6sischer Landk\u00fcche (unbedingt Cassoulet probieren):<\/p>\n<p>&#8222;Aux Produits du Sud Ouest&#8220;, 21 rue Odessa, 75014 Paris<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klar ist Paris teuer. Die \u00fcblichen Lokale an den gro\u00dfen Boulevards sind f\u00fcr normal verdienende Besucher eigentlich unbezahlbar \u2013 was nicht zuletzt an den hohen Getr\u00e4nkepreisen liegt. Wie kann man in hier dennoch preiswert essen? 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