{"id":3921,"date":"2018-04-08T10:43:14","date_gmt":"2018-04-08T08:43:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=3921"},"modified":"2018-04-12T00:17:22","modified_gmt":"2018-04-11T22:17:22","slug":"fuer-unsere-st-laurentius-pfarrkirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=3921","title":{"rendered":"F\u00fcr unsere St. Laurentius-Pfarrkirche"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es ist Sonntag. Auch im s\u00e4kularen Berlin l\u00e4uten die Glocken. Sie erinnern mich an den &#8222;Steeler Dom&#8220; meiner Kindheit.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2000_IMG_1474.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3922\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2000_IMG_1474-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2000_IMG_1474-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2000_IMG_1474-200x150.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2000_IMG_1474-400x300.jpg 400w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2000_IMG_1474-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2000_IMG_1474.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die St.-Laurentius-Pfarrkirche in Essen-Steele ist eine feste Gr\u00f6\u00dfe meiner Kindheit. Die neugotische Kirche wurde 1870-73 durch den Architekten August von Rincklake errichtet, was aber nichts mit dem vornehmen Einrichtungshaus &#8222;Rincklake van Endert&#8220; in M\u00fcnster zu tun hat. Die &#8222;aufwendige, dreischiffige Werksteinbasilika&#8220; (Dehio Nordrhein-Westfalen I, Rheinland) throhnt \u00fcber der durch eine verheerende st\u00e4dtebauliche &#8222;Sanierung&#8220; der 1970er Jahren verst\u00fcmmelten Altstadt von Essen-Steele, einem urkundlich \u00e4lteren Ort als Essen. Der Raum von St. Laurentius &#8222;von malerischer Wirkung&#8220; (Dehio) zeichnet sich durch ein zentrales Oktogon aus, das au\u00dfen von einem m\u00e4chtigen Vierungsdachreiter gekr\u00f6nt wird, der fast so hoch ist wie der Hauptturm des Westwerks. In der Osternacht l\u00e4uteten die Glocken hier immer die &#8222;Halleluja&#8220;-Melodie. K\u00fcster Willi Selcker, der in der Sakristei immer heimlich &#8222;Atika&#8220;-Zigaretten geraucht hat, konnte dies auf Knopfdruck ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Als unsere Familie 1968 nach Essen-Steele gezogen ist, war die Laurentiuskirche unzug\u00e4nglich &#8222;in restauro&#8220;: Dechant Heinrich Vogel hatte die Umstrukturierung nach den Vorgaben des 2. Vatikanums in Auftrag gegeben, die nach Pl\u00e4nen des Bildhauers Rudolf Peer 1968-70 vollzogen wurde. Wir Gottesdienstbesucher mussten so lange in die schlichte, nach dem Vorbild der Ravenna-Basiliken gestalteten St.-Eligius-Kirche ausweichen, die kurz zuvor er\u00f6ffnet worden war und inzwischen abgerissen wurde.<\/p>\n<p>Erhalten blieb in St. Laurentius der goldprunkende neugotische Schnitzaltar. Neu aufgeh\u00e4ngt wurde ein moderner Kronleuchter in Zentrum des Oktogons aus gef\u00fchlt 1.000 Gl\u00fchbirnen, die ich als Kind immer versucht habe zu z\u00e4hlen, um mir die Langeweile zu vertreiben. Diesen Kronleuchter gibt es inzwischen nicht mehr.<\/p>\n<p>Die wuchtige Hauptorgel mit ihrem neugotischen Prospekt reichte Dechant Vogel (Ministranten-Spitzname: &#8222;Der \u00d6tsch&#8220;) nicht, es wurde in den 70er Jahren f\u00fcr eine Chororgel gesammelt, die dann im Oktogon errichtet wurde. Kantor Hermann-Josef Beyer durfte diese Orgel dann an hohem Festtagen zus\u00e4tzlich bespielen. Er war ein K\u00fcnstlertyp, der gerne seine M\u00e4hne zur\u00fcckwarf. An Silvester lie\u00df er den Kirchenchor zum Te Deum (&#8222;Gro\u00dfer Gott wir loben dich&#8220;) immer besonders extreme Koloraturen singen, was mich als Kind nachhaltig beeindruckt hat.<\/p>\n<p>In den siebziger Jahren hatte die Laurentius-Gemeinde mindestens drei festangestellte Priester. Neben dem &#8222;\u00d6tsch&#8220; gab es damals den Kaplan Dieter Mundus, Spitzname &#8222;Der Lull&#8220;, der der konservativen Sch\u00f6nstatt-Bewegung nahestand und immer im schwarzen Priesterkragen aufgetreten ist. Ihn haben wir Messdiener wegen seines Sendungsbewusstseins als etwas unangenehm empfunden. Gro\u00dfe St\u00fccke hielten meine Eltern hingegen von Heinz-Josef Tillmann, einem intellektuellen Priester, der das Stichwort &#8222;Meditation&#8220; in die katholische Gemeindepredigt einf\u00fchrte. Er wurde dann leider 1976 weggelobt zum Leiter des Studienkollegs im benachbarten Bochum.<\/p>\n<p>In Deutschland sind etwa 33% der Bev\u00f6lkerung katholisch. Davon gehen 10% regelm\u00e4\u00dfig zum Gottesdienst, also rechnerisch 3,3% der Bev\u00f6lkerung. Das hei\u00dft bim Umkehrschluss, dass 97% der Bev\u00f6lkerung nicht in den katholischen Gottesdienst geht.<\/p>\n<p>&#8222;Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit&#8220; (Te Deum). Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Sonntag. Auch im s\u00e4kularen Berlin l\u00e4uten die Glocken. 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