{"id":4448,"date":"2021-02-22T19:43:41","date_gmt":"2021-02-22T18:43:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=4448"},"modified":"2021-02-22T23:49:43","modified_gmt":"2021-02-22T22:49:43","slug":"bch-dreht-auf-vier-buecher-des-emeritierten-architektur-redakteurs-wolfgang-bachmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=4448","title":{"rendered":"BCH dreht auf \u2013 Vier B\u00fccher des emeritierten Architektur-Redakteurs Wolfgang Bachmann"},"content":{"rendered":"<p><strong>Willkommen auf der Medienseite! Zu berichten ist von einem langj\u00e4hrigen Architektur-Redakteur, der im Ruhestand literarisch aufdreht: Auf Veranlassung des Autors erreichten uns vier B\u00fccher von Wolfgang Bachmann in vier Verlagen. Da geht es um Umbr\u00fcche in der Medienbranche, um die Identit\u00e4tskrise eines alternden Feuilletonisten, um die fiktive Verbindung eines Bautr\u00e4gers zum Rotlichtmilieu und schlie\u00dflich um Beobachtungen unter freiem Himmel. Eine Vierfach-Rezension<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4449\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bch-1024x380.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bch-1024x380.jpg 1024w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bch-700x260.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bch-200x74.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bch-768x285.jpg 768w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bch.jpg 1121w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Wolfgang Bachmann mit seinem markanten Autorenk\u00fcrzel \u201eBCH\u201c haben sie bei den Architekturbl\u00e4ttern <em>Bauwelt<\/em> und <em>Baumeister <\/em>einst als Edelfeder verehrt. Nun, im Ruhestand, verarbeitet er in \u201e<strong>Alles Geier<\/strong>\u201c seine Erfahrungen aus der Verlagsbranche, die seit Jahren von einbrechenden Erl\u00f6sen aus Abonnements und Anzeigen gepr\u00e4gt ist. Die fiktive Handlung des als \u201eFarce\u201c positionierten Buches m\u00fcndet in ein beklopptes mehrt\u00e4giges Motivationsseminar, das der Verlag durch externe Berater durchf\u00fchren l\u00e4sst. Bekloppt deswegen, weil die Beteiligten vollkommen diametrale berufliche Ziele verfolgen und niemand den wei\u00dfen Elefanten im Raum sehen will: Die Redakteure wollen ein anspruchsvolles Architekturmagazin machen \u2013 egal, was es kostet. Der Verlag hingegen muss Geld verdienen \u2013 egal womit. Die einen berufen sich auf Pressekodex und kulturelle Relevanz, die anderen sprechen von Einsparungen und Synergieeffekten. Man redet aneinander vorbei.<\/p>\n<p>Diese Konflikte, die jeder und jede best\u00e4tigen kann, der oder die in den letzten 25 Jahren Einblick in das Verlagswesen hatte, sind durchaus stark geschildert \u2013 auch deswegen, weil Bachmann seinem literarischen Anderen Ich, dem Chefredakteur Dr. Jasper Hartmann, selbstironische Z\u00fcge zugesteht. Schwach ist das Buch jedoch immer da, wo der Autor es nicht lassen kann, wahllos kalauernde Seitenhiebe auszuteilen. Da l\u00e4sst er zum Beispiel einen (unzureichend anonymisierten) preisgekr\u00f6nten Architektur-Redakteur einer s\u00fcddeutschen Tageszeitung als \u201eSpasti\u201c bezeichnen, weil dieser immer dasselbe schreibe. Bachmanns Anliegen, die Fahne des Qualit\u00e4tsjournalismus\u2018 in der Architekturpublizistik hochzuhalten, konterkariert er jedenfalls, wenn er ausgerechnet einen der wenigen einflussreichen Akteure, die seine Ziele teilen, nebenbei wegwitzelt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.avedition.de\/de\/alles-geier-eine-farce-ueber-architektur-eine-zeitschrift-und-einen-verlag\/978-3-89986-300-0\">Alles Geier! avedition, 2019, 19 \u20ac<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bauwelt.de\/rubriken\/buecher\/Alles-Geier-Eine-Farce-ueber-Architektur-eine-Zeitschrift-und-einen-Verlag-3399104.html\">Rezension von Dietmar Steiner in der Bauwelt<\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend \u201eAlles Geier\u201c also ein relevantes Anliegen verhandelt, macht \u201e<strong>Schroeder schreibt<\/strong>\u201c einfach nur ratlos. Geboten wird eine zusammenhanglose Melange aus Lolita-Phantasien, Alte-Leute-Krankengeschichten, Katholizismus-Aufarbeitung und Schreibblockade-Problemen \u2013 alles verpackt in einem nur am Rande angerissenen Krimi-Plot. Bachmann kann sich hier mit seinem Prinzip der ebenso bem\u00fchten wie uneindeutigen Distanzierung von den Figuren nicht durchmogeln: Nur zu deutlich ist der Protagonist, ein siebzigj\u00e4hriger Ex-Feuilletonist mit gesichertem monatlichem Renteneingang, als Alter Ego des Autors erkennbar. Wir ziehen jedenfalls daraus keinen Erkenntnisgewinn, auch wenn wir dem traurigen Helden am Ende (Achtung: Spoiler!) sein sp\u00e4tes Ehegl\u00fcck ebenso g\u00f6nnen, wie uns die \u00fcberraschende Wendung in der Lolita-Causa erleichtert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/editionstaub.de\/?product=neuerscheinung-wolfgang-bachmann-schroeder-schreibt-fast-ein-krimi\">Schroeder schreibt. Skript Verlag, 2020, 12 \u20ac<\/a><\/p>\n<p>\u201e<strong>Ber\u00fchrungspunkte<\/strong>\u201c dagegen ist wesentlich disziplinierter und pr\u00e4ziser in der Form und somit streckenweise spannend zu lesen. Denn auch diese Erz\u00e4hlung ist als Krimi angelegt, die Ereignisse werden szenisch aufbereitet wie bei einem Drehbuch zum ARD-Donnerstagskrimi. Warum geht es? Ein provinzieller Bautr\u00e4ger hat den Zuschlag f\u00fcr den Bau einer Wohnanlage bekommen, weil er sich in einem Investorenwettbewerb mit einem ebenso provinziellen, aber avantgardistisch-schwarzgekleideten Architekten mit Professur in Kaiserslautern zusammengetan hat, und versucht nun, den Entwurf nach dem empirisch ermittelten Retro-Geschmack der avisierten K\u00e4uferschicht zu verw\u00e4ssern. W\u00e4hrenddessen erpresst ein kleinkriminelles P\u00e4rchen mit Affinit\u00e4t zum Rotlichtmilieu den Bautr\u00e4ger, der daraufhin einen Detektiv engagiert.<\/p>\n<p>Kaum \u00fcberraschend, dass Bachmann auch hier Schlaglichter der Architekturdebatte in die Krimi-Handlung einschmuggelt. Ist das nun eine clevere Form der Architekturvermittlung mit popul\u00e4ren Mitteln oder eine st\u00f6rende Abschweifung? Das wird das Architektur-Publikum anders bewerten als die Krimi-Leserschaft. Genre-untypisch sind hier allerdings die eingestreuten Strichzeichnungen und erst recht der \u201eAbspann\u201c: Dem Krimi folgt noch ein Essay mit dem Titel \u201eArchitektur hassen\u201c. BCH gibt immer alles, auch wenn es zu viel ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.brotundkunst.com\/beruehrungspunkte\">Ber\u00fchrungspunkte. Brot&amp;Kunst Verlag, 2020, 15 \u20ac<\/a><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erreichte uns noch ein Rezensionsexemplar von \u201e<strong>Drau\u00dfen<\/strong>\u201c, einer Sammlung von 70 Kolumnenbeitr\u00e4gen, die sich um Zust\u00e4nde und Ereignisse unter freiem Himmel drehen, und die ab 2014 auf dem ambitionierten und altruistischen Architekturportal <a href=\"http:\/\/www.marlowes.de\">marlowes.de<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurden. Die kleine Form der Glosse konnte Bachmann schon immer am besten; schade nur, dass hier die Fotos aus der Web-Kolumne fehlen.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen. 70 Beobachtungen vor T\u00fcr und Angel. <a href=\"https:\/\/www.ilri.de\/\">Verlag Ille und Riemer<\/a>, 2021, 20 \u20ac<\/p>\n<p><strong>Benedikt Hotze<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willkommen auf der Medienseite! 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