{"id":470,"date":"2010-10-02T13:31:35","date_gmt":"2010-10-02T11:31:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=470"},"modified":"2010-10-02T13:36:33","modified_gmt":"2010-10-02T11:36:33","slug":"metro-in-lausanne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=470","title":{"rendered":"M\u00e9tro in Lausanne"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-472\" href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=472\"><br \/>\n<\/a>Es ist \u00fcber 20 Jahre her. 1988\/89 habe ich ein Jahr in Lausanne studiert. Die Uni lag damals wie heute auf einem Campus weitab der Stadt. Doch damals war sie quasi unerreichbar. Mit dem Auto parken durfte man dort nicht, eine Bahn gab es nicht, und mit dem Fahrrad musste man sich gegen die zum Teil extremen Steigungen im Stadtgebiet abk\u00e4mpfen. Ein Besuch heute macht staunen: Lausanne hat ein funktionierendes Nahverkehrssystem bekommen \u2013 f\u00fcr die B\u00fcrger, nicht gegen sie wie bei Stuttgart 21.<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-472\" href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=472\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Exif_JPEG_PICTURE\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/flon_R0013037.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"525\" \/><\/a><!--more-->Sie war damals schon in Bau, aber da sie noch nicht fuhr, beachtete man sie auch nicht: Die &#8222;M\u00e9tro Sud-Ouest&#8220;, heute Linie &#8222;<strong>m1<\/strong>&#8222;. 1991 wurde die Strecke eingeweiht, sie f\u00fchrt vom <em>Gare du Flon<\/em> in der Innenstadt am ausgedehnten Campus von Uni (UNIL) und Polytechnischer Hochschule (EPFL) vorbei bis zum Vorort Renens. \u00dcber 20 Jahre nach der Auslagerung der Hochschulen gab es damit endlich und erstmalig eine Schnellbahnanbindung des Campus an die City.<\/p>\n<p>Und nicht nur das: Durch die Anbindung an die bestehende Zahnradbahn nach Ouchy am Seeufer hatte Lausanne damit erstmals so etwas wie ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M%C3%A9tro_Lausanne\">U-Bahn-System<\/a> bekommen. Immerhin konnte man jetzt durch Umsteigen auf der Station Flon auch den Hauptbahnhof per Bahn erreichen. Die Zahnradbahn wurde allerdings eher als historisches Kuriosum wahrgenommen denn als leistungsf\u00e4higer Verkehrstr\u00e4ger. Ich habe sie damals jedenfalls so gut wie nie benutzt.<\/p>\n<p>Das \u00e4nderte sich komplett mit der Verl\u00e4ngerung dieser Linie, die im Jahr 2002 bei einer Volksabstimmung mit Zweidrittelmehrheit (Kanton) bzw. Dreiviertelmehrheit (Stadt) angenommen wurde. Derart basisdemokratisch legitimiert, wurde die Linie &#8222;<strong>m2<\/strong>&#8220; unter Einbeziehung der historischen Trasse Ouchy-Flon bis 2008 komplett neu gebaut. Aus der Zahnradbahn wurde die steilste Adh\u00e4sions-U-Bahn der Welt, das hei\u00dft, dass die vollautomatisch und f\u00fchrerlos gesteuerten Bahnen ihre Kraft durch Reibungswiderstand (und nicht durch Zahnr\u00e4der oder Seile) auf die Schiene bringen.<\/p>\n<p>Die Linie wurde nach Norden \u00fcber Flon hinaus unter der historischen Altstadt hindurchgef\u00fchrt und endet im Vorort Epalinges. Sie verkehrt unter der Woche bis Mitternacht und wird augenscheinlich hervorragend angenommen. Bei meinem jetzigen Besuch nahm ich mir ein einigerma\u00dfen preiswertes Hotelzimmer an eben jenem oberen Ende der Linie. Ohne die U-Bahn-Anbindung w\u00e4re ich nicht auf die Idee gekommen, einen derart abgelegenen Hotelstandort auch nur in Erw\u00e4gung zu ziehen.<\/p>\n<p>Und noch etwas Sinnvolles ist passiert: Die Vorortbahn Lausanne-Echallens-Bercher (<strong>LEB<\/strong>) ist in dieses System einbezogen worden. Damals, vor 20 Jahren, war diese Bahn ebenfalls so etwas wie ein Kuriosum. Ihre trutzigen, dunkelgr\u00fcnen Triebwagen hatten f\u00fcr mich immer den Charakter von Milit\u00e4rfahrzeugen. Auf der Avenue d&#8217;Echallens, wo ich damals wohnte, kamen diese Z\u00fcge stadtausw\u00e4rts dem flie\u00dfenden Autoverkehr\u00a0 entgegen, wodurch dieser auf die Gegenspur ausweichen musste, was wiederum den Gegenverkehr auf seiner eigenen Trasse zum Anhalten zwang. Mit der entsprechenden Ger\u00e4uschentwicklung durch Rumpeln und unabl\u00e4ssiges Tuten war die Vorbeifahrt eines solchen Zuges stets ein archaisches Spektakel.<\/p>\n<p>Damit ist jetzt Schluss. Durch Umwidmung von Parkspuren hat die LEB nun auf der Avenue d&#8217;Echallens ihre eigene Schienenspur und kommt dem Autoverkehr nicht mehr in die Quere. Vor allen Dingen aber wurde die Strecke per Tunnel verl\u00e4ngert: Endete sie fr\u00fcher an der Station Chauderon, etliche hundert Meter vor der Innenstadt, fahren die sauberen und modernen Bahnen nun bis zum erw\u00e4hnten Umsteigeknoten Flon.<\/p>\n<p>Und das angrenzende <em>Quartier du Flon<\/em> ist auch v\u00f6llig umgekrempelt worden: War es vorher eine Art Exklave aus alten Industriebauten, unbeachtet eine Etage unter dem Niveau der Innenstadt gelegen, wo man nicht hinkam und nicht hinging, sind die alten Lagerh\u00e4user und Hallen nun zu einem Einkaufs- und Gastronomiequartier umgestaltet worden, Nahverkehrsanschluss inklusive.<\/p>\n<p>Ich glaube, in Lausanne hat man ziemlich viel richtig gemacht die letzten 20 Jahre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist \u00fcber 20 Jahre her. 1988\/89 habe ich ein Jahr in Lausanne studiert. Die Uni lag damals wie heute auf einem Campus weitab der Stadt. Doch damals war sie quasi unerreichbar. 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