{"id":524,"date":"2011-01-04T14:56:39","date_gmt":"2011-01-04T13:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=524"},"modified":"2011-01-06T14:24:53","modified_gmt":"2011-01-06T13:24:53","slug":"stiftung-warentest-apple-und-birnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=524","title":{"rendered":"Stiftung Warentest: Apple und Birnen"},"content":{"rendered":"<p>Kann man Konsumg\u00fcter durch die Vergabe von Schulnoten vergleichen? L\u00e4sst sich an Hand von Nachkommastellen ein objektives \u201eQualit\u00e4tsurteil\u201c in die Welt setzen, von dem regelm\u00e4\u00dfig Millionen von Verbrauchern ihre Kaufentscheidung abh\u00e4ngig machen? Die unabh\u00e4ngige Stiftung Warentest versucht dies seit Jahrzehnten und mit besten Absichten. Bei Produkten wie Waschpulver erscheint ein solches Test-Ranking auch als unmittelbar plausibel. Doch bei komplexen technischen Ger\u00e4ten wie \u2013 beispielsweise \u2013 dem iPhone und seinen Konkurrenten st\u00f6\u00dft das Warentest-Verfahren an seine nat\u00fcrlichen Grenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a rel=\"attachment wp-att-557\" href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=557\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-557 alignleft\" title=\"logo\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/logo2.gif\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/logo2.gif 130w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/logo2-100x150.gif 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 130px) 100vw, 130px\" \/><\/a><a rel=\"attachment wp-att-566\" href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=566\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-566 aligncenter\" title=\"Iphone_4G_195\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Iphone_4G_195.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Iphone_4G_195.jpg 233w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Iphone_4G_195-179x150.jpg 179w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Eine Freundin kam k\u00fcrzlich mit einem leicht schadenfrohen Gestus auf mich zu, wedelte mit einem (schon etwas \u00e4lteren) Exemplar der \u201etest\u201c-Zeitschrift und trug vor: \u201eDie Stiftung Warentest hat <a href=\"http:\/\/www.test.de\/themen\/computer-telefon\/test\/Handys-Nokia-knapp-vorn-4127133-4127135\/\">Smartphones und Multimedia-Handys getestet<\/a>. Siehe da: Dein iPhone ist ja gar nicht das beste!\u201c Tats\u00e4chlich schnitt in der Ausgabe 9\/2010 das aktuelle iPhone 4 von Apple mit \u201enur\u201c 2,3 Punkten ab; einige andere Telefone, darunter deutlich preiswertere, hatten eine \u201ebessere\u201c Note, n\u00e4mlich 2,2. \u00dcberschrift des Ganzen: \u201eNokia knapp vorn\u201c.<\/p>\n<p>Nun haben aber Ausstattungsmerkmale und F\u00e4higkeiten solcher Ger\u00e4te bei verschiedenen Verbrauchern unterschiedliche Gewichtungen. Sprich: Was f\u00fcr den einen essentiell ist, mag dem anderen ziemlich egal sein. Der eine braucht unbedingt einen lange haltenden Akku, w\u00e4hrend er nicht viel im Internet surfen will, der andere muss mehrere e-Mail-Konten komfortabel verwalten k\u00f6nnen, kann aber auf ein hoch aufl\u00f6sendes Display verzichten. Derlei k\u00f6nnte man jetzt auf die Spitze treiben. Daher: Gerade wegen der unterschiedlichen Nutzeranforderungen kann es gar nicht \u201edas beste\u201c Smartphone geben. Es kann allenfalls den \u201ebesten Kompromiss\u201c geben zwischen eigenen Anforderungen, Qualit\u00e4t und Preis. Nur: Ist da ein Punkteschl\u00fcssel wie der der Stiftung als erster Anhaltspunkt nicht doch hilfreich? Erst recht f\u00fcr solche Verbraucher, die noch keine genaue Vorstellung davon haben, was sie mit einem solchen Ger\u00e4t alles machen wollen und einfach nur ein \u201egutes Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis\u201c suchen?<\/p>\n<p>Ich meine: nein. Durch die Notenvergabe wird eine Schein-Vergleichbarkeit suggeriert, die es angesichts des Gesagten gar nicht geben kann. Wenn ich im Folgenden einige Ungereimtheiten aufzeige, so tue ich dies dennoch \u201esystemimmanent\u201c.<\/p>\n<p>Ob ein internetf\u00e4higen Telefon im Alltag Freude oder Verdruss bereitet, zeigt sich erst im Detail. Kann es komplexe Webseiten wie die Startseiten vieler einschl\u00e4gigen Nachrichtenportale fehlerfrei und gut navigierbar darstellen? Kann es Pop-Up-Fenster, Webformulare und Auswahldialoge vern\u00fcnftig handhaben und einbinden? Kann es mit zeitweiligen Empfangsschwierigkeiten, z.B. unterwegs, umgehen, ohne sofort einen ganzen Vorgang abzubrechen? Kann es ein 150-seitiges, bebildertes PDF, z.B. die e-Paper-Version eines popul\u00e4ren Magazins, einwandfrei darstellen \u2013 so wie es das iPhone schon von Hause aus gut kann und mit einer kostenlosen App wie \u201eGood Reader\u201c noch viel besser kann? Wird eine solche Zustatz-App, einmal installiert, praktischerweise bereits im e-Mail-Programm, mit dem man das PDF gerade geladen hat, als Zusatzoption angeboten? Solche Fragen sind keine Technik-Spitzfindigkeiten, sie entscheiden vielmehr dar\u00fcber, ob das Ger\u00e4t brauchbar ist oder nicht. Bei der Stiftung Warentest gehen diese Dinge aber in einem nicht n\u00e4her nachvollziehbaren Punkteschl\u00fcssel unter.<\/p>\n<p>Immerhin haben die Warentester zu jedem Ger\u00e4t einen frei formulierten Kurzsteckbrief formuliert. Und da lesen wir zum Beispiel bei einem (teuren) Samsung-Ger\u00e4t Erstaunliches: \u201eNicht besonders gut zum Surfen im Internet geeignet\u201c. Ein Multimedia-Handy, das eine der wichtigsten Disziplinen des Multimedia nicht beherrscht, m\u00fcsste doch sofort als \u201emangelhaft\u201c eingestuft werden. Eigentlich. Die Warentester vergeben dennoch das Qualit\u00e4tsurteil \u201eGut (2,4)\u201c. Was soll man auf ein solches Urteil geben?<\/p>\n<p>Die Displaygr\u00f6\u00dfen der Ger\u00e4te variieren stark. Das iPhone hat eines der gr\u00f6\u00dften Displays des Marktes, \u00fcberdies ist es sehr viel feiner aufgel\u00f6st als die Anzeigen aller Konkurrenzger\u00e4te, es ist also nicht nur gr\u00f6\u00dfer, sondern auch um Dimensionen sch\u00e4rfer. Dieses edle Ausstattungsmerkmal schl\u00e4gt sich jedoch nicht erkennbar in der Punktewertung nieder. Das iPhone hat einen eingebauten Speicher von (mindestens) 16 Gigabyte. Andere Ger\u00e4te im Test haben nicht mal ein Zwanzigstel davon. Dennoch: Auch hier kein Niederschlag in den Punktbewertungen. Statt dessen bem\u00e4keln die Tester beim iPhone kleinlich: \u201eSpeicher nicht erweiterbar\u201c. Ein anderes eher teures Ger\u00e4t, ein Blackberry, kann kein GPS, es entf\u00e4llt also die M\u00f6glichkeit, den eigenen Standort per Satellit zu orten, was die Voraussetzung f\u00fcr Navigationssysteme und viele Landkartenanwendungen ist. Die Stiftung Warentest vergibt bei diesem Ger\u00e4t in der Rubrik f\u00fcr GPS also keine Note, sondern das Qualit\u00e4tsurteil mit dem sch\u00f6nen Namen \u201eentf\u00e4llt\u201c. Kunstst\u00fcck: Was nicht dran ist, kann auch nicht unangenehm auffallen, haben sich die Tester wohl gedacht. Beim iPhone f\u00fchrt hingegen eine nur \u201ebefriedigende\u201c Note in der Rubrik \u201eHandhabung\u201c zur Abwertung des gesamten Ger\u00e4ts. Begr\u00fcndung: Es sei keine Gebrauchsanweisung dabei. Dass ein iPhone selbsterkl\u00e4rend ist und keine Gebrauchsanweisung ben\u00f6tigt, kommt im Horizont solcher Tester nicht vor. Sp\u00e4testens hier wird klar, dass hier <em>Apple<\/em> mit Birnen verglichen werden.<\/p>\n<p>Fazit: Nat\u00fcrlich gibt es auch zum iPhone viel Kritisches anzumerken, darunter die Zwangsregistrierung bei Apple, die Kontrolle des App-Marktes durch Apple und die enge Bindung an bestimmte Telefonprovider (die allerdings k\u00fcrzlich stark gelockert wurde). Aber eine um Zehntelpunkte \u201ebessere\u201c oder \u201eschlechtere\u201c Bewertung bei \u201eStiftung Warentest\u201c kann nach dem Gesagten ganz gewiss nicht als Argument f\u00fcr oder gegen ein bestimmtes Ger\u00e4t dieser Komplexit\u00e4t herangezogen werden.<\/p>\n<p><em>Nachtrag: Im neuesten Heft 01\/2011 von \u201etest\u201c sind erneut <a href=\"http:\/\/www.test.de\/themen\/computer-telefon\/test\/Smartphones-Mehr-Computer-als-Telefon-4185517-4186608\/\">Smartphones getestet<\/a> worden, allerdings nicht das iPhone.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann man Konsumg\u00fcter durch die Vergabe von Schulnoten vergleichen? L\u00e4sst sich an Hand von Nachkommastellen ein objektives \u201eQualit\u00e4tsurteil\u201c in die Welt setzen, von dem regelm\u00e4\u00dfig Millionen von Verbrauchern ihre Kaufentscheidung abh\u00e4ngig machen? Die unabh\u00e4ngige Stiftung Warentest versucht dies seit Jahrzehnten und mit besten Absichten. 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