{"id":5569,"date":"2022-10-04T00:08:19","date_gmt":"2022-10-03T22:08:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=5569"},"modified":"2023-02-12T23:04:30","modified_gmt":"2023-02-12T22:04:30","slug":"latein-als-schulfach-langweilig-aber-bringt-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=5569","title":{"rendered":"Latein als Schulfach: Langweilig \u00ad\u2013 aber bringt was!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Gro\u00dfe Latinum wurde mir quasi automatisch geschenkt, weil ich auf einem altsprachlichen Gymnasium von der 5. bis zur 10. Klasse in den Jahren 1974-1980 Lateinunterricht hatte (und in die 11. Klasse versetzt wurde). Danach habe ich dieses langweilige Fach nat\u00fcrlich sofort abgew\u00e4hlt. Ich stelle aber im Berufsleben fest, dass Latein mir bei Grammatik und Zeichensetzung in der eigenen Sprache und bei Fremdsprachen entscheidend n\u00fctzlich ist. Wie das?<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dazu erstmal eine Anekdote: Nach meiner Sprachenfolge Latein, Englisch und (Alt-) Griechisch (an zwei verschiedenen Schulen) besuchte ich in der 11. Klasse einen ambitionierten Franz\u00f6sich-Grundkurs f\u00fcr Anf\u00e4nger, an dem ausschlie\u00dflich altsprachlich ausgebildete Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler teilnahmen. Der Franz\u00f6sisch-Lehrer versuchte verzweifelt, uns den Unterschied zwischen direktem und indirekten Objekt zu erkl\u00e4ren. Nichts half, niemand hat das verstanden. Bis er schlie\u00dflich entnervt sagte: &#8222;Man kann nat\u00fcrlich auch Akkusativ- und Dativ-Objekt sagen&#8220;. Der ganze Kurs st\u00f6hnte erleichtert auf: &#8222;Warum haben Sie das nicht gleich gesagt, das h\u00e4tten wir sofort verstanden!&#8220;<\/p>\n<p>Der Wert des Latein-Unterrichts liegt also nicht darin, unregelm\u00e4\u00dfige Verben zu pauken, und auch nicht darin, Fachvokabeln f\u00fcr das Medizin- oder Jura-Studium zu erlernen. Der Wert liegt vielmehr darin, anhand eines klaren Systems ein Gef\u00fchl f\u00fcr Grammatik und Syntax der Sprache zu bekommen. Das k\u00f6nnte man theoretisch auch anhand anderer Sprachen durchdeklinieren (!), aber es ist anhand des Lateinischen sensationell stringent und plausibel. Beispiele:<\/p>\n<p>Zeitenfolge (Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II: Was ist bedeutet Vorzeitigkeit in der Zukunft?). Was ist ein Hauptsatz, was ein Nebensatz; wann ist &#8222;dass&#8220; eine Nebensatzkonjunktion, wann ein bestimmter Artikel (&#8222;das&#8220;)? Die Satzstruktur ist wichtig f\u00fcr die Kommasetzung im Deutschen, vor allem, wenn die Reihenfolge der Teils\u00e4tze variiert. Und: Wer ist Subjekt, in welchem Numerus steht also das Pr\u00e4dikat? Peter und Paul\u00a0<b>gehen<\/b> in die Schule (Subjekt im Plural); Peter <b>geht<\/b> mit Paul in die Schule (Subjekt im Singular)&#8230; Warum wird ein Verb manchmal gro\u00dfgeschrieben? Wenn es ein Gerundium ist &#8211; das Gerundium ist der deklinierte Infinitiv, wenn man also einen bestimmten Artikel davorsetzen kann: Ich <b>gehe<\/b> (Verb, also klein), aber: Das <b>Gehen<\/b>\u00a0f\u00e4llt mir schwer (Gerundium, also gro\u00df). Sowas begegnet einem beim Lektorieren von Texten andauernd. Das jahrelang im Lateinunterricht trainiert und verstanden zu haben, pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Nicht irgendwelchen Gallischen Kriege sind erstrebenswerter Lernstoff, sondern das Verst\u00e4ndnis von Sprache als gebautem Konstrukt. Da hilft Latein vor allem auch f\u00fcr die eigene Sprache. Und daher bin ich nicht b\u00f6se drum, das erlernt zu haben. Einen lateinischen Satz unfallfrei zu \u00fcbersetzen, das schaffe ich allerdings kaum noch. Muss ich ja auch nicht, habe ja das Gro\u00dfe Latinum ;-)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gro\u00dfe Latinum wurde mir quasi automatisch geschenkt, weil ich auf einem altsprachlichen Gymnasium von der 5. bis zur 10. 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