{"id":5649,"date":"2022-12-10T16:47:31","date_gmt":"2022-12-10T15:47:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=5649"},"modified":"2023-02-08T00:29:42","modified_gmt":"2023-02-07T23:29:42","slug":"das-moltkeviertel-in-essen-eine-buchrezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=5649","title":{"rendered":"Das Moltkeviertel in Essen \u00ad\u2013 eine Buchrezension"},"content":{"rendered":"<p><strong>Essen war bis in die 1970er Jahre hinein die f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Stadt in Deutschland \u2013 vor Frankfurt, D\u00fcsseldorf, Dortmund, Leipzig oder Stuttgart (als geb\u00fcrtiger Essener wiederhole ich mich da gern). Ein vierter Band einer verdienstvollen Reihe zur modernen Architektur in Essen besch\u00e4ftigt sich mit einem ganz erstaunlichen st\u00e4dtebaulichen Projekt der Reform- und Gartenstadt-Architektur kurz vor dem ersten Weltkrieg: dem \u201eMoltkeviertel\u201c. Dort war, einen Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt, eine Mischung aus Industriellen-Villen und Reihenh\u00e4usern \u201ekleiner Leute\u201c Programm. Und der st\u00e4dtebauliche Kulminationspunkt war nicht mehr wie fr\u00fcher eine Kirche, sondern eine Ingenieursschule. Mehr Moderne ging 1908 nicht!<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/A92810AD-B5B1-4BBF-B96B-2D19B7D3FEA7.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5666 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/A92810AD-B5B1-4BBF-B96B-2D19B7D3FEA7-204x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/A92810AD-B5B1-4BBF-B96B-2D19B7D3FEA7-204x300.jpeg 204w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/A92810AD-B5B1-4BBF-B96B-2D19B7D3FEA7-102x150.jpeg 102w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/A92810AD-B5B1-4BBF-B96B-2D19B7D3FEA7.jpeg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Gebiet, um das es hier geht, ist nicht unter dem heutigen Begriff \u201eMoltkeviertel\u201c entstanden. Ab 1908 hat die Stadt Essen das Terrain des landwirtschaftlichen Br\u00fcndlingshaushofes entwickelt, und zwar mit einem strengen System von Auflagen f\u00fcr private Investoren, die in dem \u201eBebauungsplan \u00f6stlich vom Bernew\u00e4ldchen\u201c von 1908 festgelegt worden waren.<\/p>\n<p>Manche nennen das Quartier \u201eArchitektenviertel\u201c, weil die meisten Stra\u00dfennamen auf vormoderne Architekten verweisen; mein Vater hingegen hat die Lage seines Elternhauses in der Schnutenhausstra\u00dfe immer als \u201eEssen-S\u00fcd\u201c bezeichnet, wohl in Anlehnung an den benachbarten gleichnamigen Bahnhof, aber ebenfalls unscharf. Denn das hier betrachtete Gebiet geh\u00f6rt zu den Essener Stadtteilen S\u00fcdostviertel und Huttrop, aber eben knapp nicht zum Stadtteil \u201eS\u00fcdviertel\u201c.<\/p>\n<p>Genug mit der Beckmesserei, wenden wir uns dem Buch zu: Es ist ein schmaler Band von 84 Seiten geworden. Wer jetzt einen monographischen Architekturf\u00fchrer erwartet hat, mag vielleicht entt\u00e4uscht sein.<\/p>\n<p>Nach einer Einf\u00fchrung in die Planungs- und Baugeschichte (mit historischen Fotos) und einem heutigen fotografischen Rundgang mit eigens daf\u00fcr angefertigten Schwarzwei\u00df-Bildern bildet den zentralen Part des Buches eine biografische W\u00fcrdigung der hier mit Stra\u00dfennamen geehrten Architekten \u00ad\u2013 abgesehen von diesem Umstand gibt es in diesen Texten keinen Zusammenhang zum \u201eMoltkeviertel\u201c. Immerhin werden in einem (wesentlich schmaleren) Kapitel auch die ausf\u00fchrenden Architekten vorgestellt \u2013 zumindest wenn deren Beitrag zum Viertel aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg stammt. Mein Gro\u00dfonkel Leo Hotze, der 1933 die Reihenhauszeile Schnutenhausstra\u00dfe 58-64 entworfen hat, fehlt hier verst\u00e4ndlicherweise.<\/p>\n<p>Insgesamt ein sympathisches B\u00fcchlein, das sich dem Moltkeviertrel aus verschiedenen Perspektiven n\u00e4hert und somit eine heute noch erlebbare st\u00e4dtebauliche Leistung mitten im Ruhrgebiet w\u00fcrdigt, die inzwischen eine gewisse \u00fcberregionale Aufmerksamkeit genie\u00dft. Dieses Werk tr\u00e4gt dazu bei.<\/p>\n<p><em>Nachtrag in eigener Sache: Es ist eine professionelle Architekturaufnahme meines gro\u00dfelterlichen Hauses in einem Familienalbum aufgetaucht:<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_5749\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5749\" class=\"wp-image-5749\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-468x300.jpg 468w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-1024x657.jpg 1024w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-200x128.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-768x493.jpg 768w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-1536x985.jpg 1536w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/schnutenhausstrasse-58_64_1938-2048x1314.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5749\" class=\"wp-caption-text\">Schnutenhausstra\u00dfe 58-64, errichtet 1933, Architekt Leo Hotze<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Essen war bis in die 1970er Jahre hinein die f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Stadt in Deutschland \u2013 vor Frankfurt, D\u00fcsseldorf, Dortmund, Leipzig oder Stuttgart (als geb\u00fcrtiger Essener wiederhole ich mich da gern). 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