{"id":615,"date":"2011-04-29T16:17:00","date_gmt":"2011-04-29T14:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=615"},"modified":"2011-05-26T12:00:21","modified_gmt":"2011-05-26T10:00:21","slug":"mit-padagogischem-effekt-fahrradstreifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=615","title":{"rendered":"Mit p\u00e4dagogischem Effekt: Fahrradstreifen"},"content":{"rendered":"<p>Viele Berliner Bezirksverwaltungen machen es zur Zeit vor, aber auch anderenorts ist gerade viel Bewegung: Immer h\u00e4ufiger sieht man in deutschen St\u00e4dten neue markierte Fahrradstreifen auf der Fahrbahn. Oftmals gehen sie zu Lasten des Autoverkehrs, denn vielfach wurden aus zwei ehemaligen Fahrspuren nur noch eine Spur plus Radstreifen. Was eindeutig als Ma\u00dfnahme zur F\u00f6rderung des Fahrradverkehrs zu erkennen ist, wird jedoch von einigen engagierten Fahrrad-Aktivisten abgelehnt. Doch sie \u00fcbersehen den p\u00e4dagogischen Effekt der Fahrrad-Piktogramme.<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-616\" href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=616\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-616\" title=\"radstreifen_700\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/radstreifen_700.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/radstreifen_700.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/radstreifen_700-200x118.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/radstreifen_700-507x300.jpg 507w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><!--more--><\/a><\/p>\n<p>Jahrzehntelang galt in Deutschland unter Verkehrsplanern und Politikern die Doktrin, dass Radfahrer auf separierten Radwegen am sichersten unterwegs seien. So gab es auch lange Zeit eine \u201eRadwegbenutzungspflicht\u201c. Diese Pflicht wurde unter den Nazis in die Stra\u00dfenverkehrsordnung eingef\u00fchrt \u2013 allerdings nicht, weil man sich um die Sicherheit der Radfahrer sorgte, sondern weil der damals aufkommende \u201emoderne\u201c Autoverkehr nicht durch die langsameren Radler behindert werden sollte.<\/p>\n<p>Dass es mit der Sicherheit auf Radwegen nicht weit her ist, wissen erfahrene Alltagsradler schon lange. Sie werden dort nicht als Bestandteil des Verkehrsgeschehens wahrgenommen und laufen an Einm\u00fcndungen Gefahr, von abbiegenden Autofahrern \u00fcbersehen zu werden. Sp\u00e4testens in den neunziger Jahren wurden diese Alltagserfahrungen auch durch ma\u00dfgebliche Studien, zum Beispiel der Bundesanstalt f\u00fcr Stra\u00dfenwesen (BASt), best\u00e4tigt. In der Folge hat der Gesetzgeber (\u00fcbrigens eine schwarz-gelbe Koalition unter Kanzler Helmut Kohl) mit der so genannten \u201eRadwegnovelle\u201c von 1997 die generelle Benutzungspflicht von Radwegen aufgehoben. Allerdings blieb dies von den meisten Verkehrsteilnehmern \u2013 auch Radfahrern \u2013 lange Zeit weitgehend unbekannt. Auch die Stra\u00dfenbaubeh\u00f6rden bauten weiter munter separierte Radwege. Erst ein h\u00f6chstrichterliches <a href=\"http:\/\/www.kostenlose-urteile.de\/BVerwG-Anordnung-einer-Radwegebenutzungspflicht-nur-bei-konkreter-Gefahrenlage-zulaessig.news10594.htm\" target=\"_blank\">Urteil<\/a> des Bundesverwaltungsgerichts von November 2010 bekr\u00e4ftigte die geltende Rechtslage unmissverst\u00e4ndlich: Eine Benutzungspflicht von Radwegen darf nur als besonders zu begr\u00fcndende Ausnahme angeordnet werden.<\/p>\n<p>Jetzt endlich reagierten die Beh\u00f6rden und hoben die Benutzungspflicht vielerorts auf, indem sie die blauen Radwegzeichen abmontieren lie\u00dfen. Stattdessen werden jetzt vielfach die genannten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn markiert (die genau genommen \u201eSchutzstreifen\u201c hei\u00dfen, sofern sie nicht als benutzungspflichtg ausgeschildert sind). Gegen\u00fcber separat gef\u00fchrten Radwegen vermeiden diese Streifen deren entscheidenden Nachteil: Hier fahren Radfahrer nicht mehr hinter parkenden Autos versteckt, sondern sie bewegen sich im unmittelbaren Sichtfeld der anderen Verkehrsteilnehmer.<\/p>\n<p>Dennoch lehnen engagierte Radfahrer nicht nur die separierten Radwege, sondern auch die Streifen auf der Fahrbahn ab. Denn sie sind prinzipiell gegen <em>jede<\/em> Separierung von Verkehrsmitteln und m\u00f6chten Radfahrern grunds\u00e4tzlich die gleichen Rechte einr\u00e4umen wie Autos. Mir erscheint eine solche \u201eFundi\u201c-Haltung als etwas theoretisch. Denn nicht wegdiskutieren lassen sich doch die positiven p\u00e4dagogischen Effekte dieser Markierungen: Wenn Autofahrer alle paar Meter ein Fahrrad-Piktogramm auf \u201eihrer\u201c Fahrbahn sehen, werden irgendwann auch die letzten Ignoranten bemerken, dass sich etwas ge\u00e4ndert hat. Sie werden nicht mehr durch Hupen und Schneiden Radfahrer auf nicht benutzungspflichtige \u201eandere Radwege\u201c abzudr\u00e4ngen versuchen, wie dies heute noch allt\u00e4glich passiert. Allein dieser Effekt erscheint mir im Alltag bereits v\u00f6llig hinreichend, um die Markierung von Schutzstreifen auf der Fahrbahn zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-705\" href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=705\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-705\" title=\"Foto_brandeburgische\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Foto_brandeburgische.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"499\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Foto_brandeburgische.jpg 700w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Foto_brandeburgische-200x142.jpg 200w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Foto_brandeburgische-420x300.jpg 420w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Berliner Bezirksverwaltungen machen es zur Zeit vor, aber auch anderenorts ist gerade viel Bewegung: Immer h\u00e4ufiger sieht man in deutschen St\u00e4dten neue markierte Fahrradstreifen auf der Fahrbahn. 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