{"id":7403,"date":"2026-02-16T23:11:21","date_gmt":"2026-02-16T22:11:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=7403"},"modified":"2026-03-23T21:34:05","modified_gmt":"2026-03-23T20:34:05","slug":"women-in-architecture-ursula-koelsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=7403","title":{"rendered":"Women in Architecture: Ursula K\u00f6lsch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein architektonisch auff\u00e4liges Geb\u00e4ude, das ich aus meiner Jugend kenne, wurde offenbar 1953\/1954 von einer jungen Architektin entworfen: das katholische Jugendheim der St.-Laurentius-Gemeinde in Essen-Steele, Im Kirchspiel 16A. Das Geb\u00e4ude wurde nach Leerstand in den 1980er Jahren abgerissen. In einem hobbyhistorischen Beitrag in der Zeitschrift \u201eStela Historica\u201c (Heft 20, 2024), herausgegeben vom <a href=\"https:\/\/www.steeler-archiv.de\/\">Verein Steeler Archiv e.V.<\/a>, wird daf\u00fcr Ursula Hollatz als Architektin genannt. In dem Bestreben, Frauen in der Architektur sichtbarer zu machen, habe ich daraufhin eine Recherche zu dieser Architektin gestartet. Leider bisher mit d\u00fcrftigem Ergebnis. Ein Zwischenbericht.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_7408\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_5656-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7408\" class=\"wp-image-7408\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_5656-768x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"933\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_5656-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_5656-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_5656-113x150.jpeg 113w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_5656-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_5656-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_5656-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7408\" class=\"wp-caption-text\">Ausriss aus \u201eStela Historica\u201c Nr. 20 (2024)<\/p><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aus \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen habe ich zun\u00e4chst diese biografischen Informationen zusammengetragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Ursula Hollatz ist identisch mit Ursula K\u00f6lsch bzw. Ursula K\u00f6lsch-Hollatz (verstorben 2009). Sie f\u00fchrte mit ihrem Ehemann Hans Ulrich K\u00f6lsch (1927-2019) das Essener Architekturb\u00fcro K\u00f6lsch &amp; K\u00f6lsch.<\/li>\n<li>Ursula K\u00f6lsch ist die Tochter des Essener Baudezernenten (Beigeordneten) Josef Walther Hollatz (1898-1981), der dieses Amt 1951-1963 aus\u00fcbte (Quelle: Bergmann, Brdenk (Hg.), Architektur in Essen 1900\u20131960, Essen 2012) und der ma\u00dfgeblichen Einfluss auf den autogerechten Wiederaufbau der Stadt Essen nahm.<\/li>\n<li>Zu den Werken des B\u00fcros K\u00f6lsch &amp; K\u00f6lsch geh\u00f6rt das <a href=\"http:\/\/www.ruhr-bauten.de\/liste.php?stadt=Essen\">Einfamilienhaus Hollatz<\/a>, Bauherr: Josef Walther Hollatz, in der Heisinger Stra\u00dfe 120 in Essen-Stadtwald (1963). Das Geb\u00e4ude in einem skandinavisch anmutenden Bungalow-Stil mit flachgeneigtem Pultdach (zur Stra\u00dfe eingeschossig, zum Garten zweigeschossig) ist ausweislich Google Maps erhalten. Das Geb\u00e4ude wird in einem einschl\u00e4gigen Architekturf\u00fchrer als \u201eherausragendes Essener Beispiel des International Style der 1950\/60er Jahre\u201c bezeichnet (Quelle: Bergmann, Brdenk, Architektur in Essen 1960\u20132013, Essen 2013).<\/li>\n<li>In einigen Quellen wird diese Adresse als B\u00fcrostandort von K\u00f6lsch &amp; K\u00f6lsch angegeben. Demnach m\u00fcssten sie das B\u00fcro im Einfamilienhaus des Vaters\/Schwiegervaters betrieben haben.<\/li>\n<li>Als Wohnadresse von Hans Ulrich K\u00f6lsch und Ursula K\u00f6lsch wird durchg\u00e4ngig Am Ruhrstein 37b in Essen-Bredeney angegeben \u2013 ein gro\u00dfer Apartment-Block, der mutma\u00dflich um 1960 errichtet wurde. Hans-Ulrich K\u00f6lsch bzw. das Ehepaar K\u00f6lsch wohnte dort von mindestens 1965 an (Quelle: Essener Adressbuch 1965) bis zu seinem Tod 2019.<\/li>\n<li>In einem Adressbuch von 1972 wird Hans Ulrich K\u00f6lsch die Berufsbezeichnung \u201eArch\u201c und Ursula K\u00f6lsch die Berufsbezeichnung \u201eDipl-Arch\u201c zugewiesen (<a href=\"https:\/\/www.digibib.genealogy.net\/viewer\/api\/v1\/records\/857439804_1972\/files\/images\/Essen1972-0678.tif\/full.pdf?divID=LOG_0003\">Quelle<\/a>). Sofern dieser Unterschied bewusst gemacht wurde, k\u00f6nnte dies bedeuten, dass Hans Ulrich K\u00f6lsch die gesch\u00fctzte Berufsbezeichnung \u201eArchitekt\u201c aufgrund seiner Zugeh\u00f6rigkeit zur Architektenkammer f\u00fchren durfte, w\u00e4hrend Ursula K\u00f6lsch als Absolventin des Diplom-Studiengangs Architektur ausgewiesen wird, ohne die Berufsbezeichnung Architektin f\u00fchren zu d\u00fcrfen.<\/li>\n<li>Zu den Bauten von K\u00f6lsch &amp; K\u00f6lsch geh\u00f6ren au\u00dferdem das Ev. Gemeindezentrum mit Altstadthaus (1963, Rottstra\u00dfe 9 in Essen, 2013 abgerissen), die Trauerhalle \u00dcberruhr (1969-70, <a href=\"http:\/\/www.ruhr-bauten.de\/liste.php?stadt=Essen\">Quelle)<\/a> sowie die Andachtshalle des Essener Ostfriedhofs (1957, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ostfriedhof_Essen\">Quelle<\/a>)<\/li>\n<li>In einem vom BDA Essen herausgegebenen Architekturf\u00fchrer wird Hans Ulrich K\u00f6lsch (im Gegensatz zu Ursula K\u00f6lsch) mit dem Namenszusatz \u201eBDA\u201c gef\u00fchrt (Quelle: BDA Essen (Hg.), Essen Architekturf\u00fchrer, Essen 1983). Weitere Quellen zu einer BDA-Mitgliedschaft gibt es bisher nicht.<\/li>\n<li>Das Ehepaar K\u00f6lsch ist au\u00dferdem als Sammler von Gebrauchsgegenst\u00e4nden aus Kunststoff hervorgetreten. Das renommierte Essener Folkwang-Museum hat 1983 diese Sammlung ausgestellt (<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/passion-fuer-plastik-a-f36e6ae0-0002-0001-0000-000013508075\">Quelle: DER SPIEGEL 23\/1984<\/a>). Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Kunststoffgeschichte w\u00fcrdigt Hans Ulrich K\u00f6lsch mit einem <a href=\"https:\/\/www.kunststoffe.de\/a\/news\/trauer-um-hans-ulrich-koelsch-285145\">Nachruf<\/a> (2019).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun zum <strong>Jugendheim St. Laurentius<\/strong>. Die Angabe, dass die Pl\u00e4ne daf\u00fcr von der Architektin Ursula Hollatz stammen, ist Ausl\u00f6ser dieser Recherche. Leider gen\u00fcgt der eingangs erw\u00e4hnte Beitrag in der \u201eStela Historica\u201c nicht strengen wissenschaftlichen Kriterien. Er basiert vielmehr auf einer Akteneinsicht in kirchliche Bau-Archive; daher stammen einige im Beitrag wiedergegebene Planzeichnungen (leider ohne Plankopf). Im weiteren Verlauf st\u00fctzt sich der Artikel haupts\u00e4chlich auf anekdotische Berichte von Zeitzeugen zur Nutzungsgeschichte des Geb\u00e4udes. F\u00fcr den Bauvorlauf werden Gremiensitzungen und Planvorstellungen aus den Jahren 1953 und 1954 angegeben, doch gibt es keine konkretere Angaben zur Bauzeit. Gleiches gilt f\u00fcr Daten zur Aufgabe der Nutzung und den Abriss. Auch wurde der Autor bei der Bildrecherche lediglich in Archiven von Lokalzeitungen f\u00fcndig; diese Bilder im niedrig aufgel\u00f6sten Zeitungsdruck geben das Geb\u00e4ude im Zustand der Verwahrlosung kurz vor dem Abriss wieder.<\/p>\n<p>Aus eigener Anschauung kann ich erg\u00e4nzend beitragen, dass das Geb\u00e4ude mindestens noch bis Ende 1979 in Nutzung war, und dass es in den 1970er Jahren auff\u00e4llige Bausch\u00e4den gab. Offenbar drang Wasser durch die Flachd\u00e4cher ein, was sich mit auff\u00e4lligen Schlieren und Verschmutzungen an den W\u00e4nden im Inneren des Geb\u00e4udes mitteilte.<\/p>\n<p>\u00dcber den pers\u00f6nlichen Anteil der Architektin Ursula Hollatz an Entwurf und Bauausf\u00fchrung sind mir derzeit nur Spekulationen m\u00f6glich.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Hypothese 1<\/strong>:<br \/>\nUrsula Hollatz hat den Auftrag in eigener Regie ausgef\u00fchrt. Dies w\u00e4re die interessanteste Hypothese. Daf\u00fcr spricht, dass sie mit ihrem Geburtsnamen aufgef\u00fchrt wird und somit bereits vor ihrer Ehe und beruflichen Partnerschaft mit K\u00f6lsch mit dem Bauvorhaben befasst gewesen sein k\u00f6nnte. Ein Erstling einer jungen Architektin w\u00e4re f\u00fcr die Zeit eine kleine Sensation.<\/li>\n<li><strong>Hypothese 2:<\/strong><br \/>\nUrsula Hollatz hat den Auftrag nicht allein ausgef\u00fchrt, sondern in Partnerschaft mit K\u00f6lsch, tritt aber aus unerfindlichen Gr\u00fcnden allein auf. Dazu gibt es wieder verschiedene Unter-Hypothesen:<\/li>\n<li><strong>Hypothese 2.1:<\/strong><br \/>\nDer Autor des Beitrags in der Stela Historica hat die Rolle der Ursula Hollatz missverstanden. Wom\u00f6glich ist sie in Gremiensitzungen aufgetreten als Abgesandte ihres B\u00fcros, woraus geschlossen wurde, dass sie die alleinige Planverfasserin ist. Aufschluss w\u00fcrde ein Plankopf bieten.<\/li>\n<li><strong>Hypothese 2.2:<\/strong><br \/>\nUrsula Hollatz hat den Auftrag zusammen mit K\u00f6lsch bearbeitet, wird aber aus irgendwelchen Gr\u00fcnden namentlich alleine genannt; sei es, dass die kirchliche Bauherrschaft dem Baudezernenten eine Gef\u00e4lligkeit erweisen wollte, indem sie seine Tochter beauftragt; sei es, dass Ursula Hollatz die richtige Konfession hatte, ihr Partner jedoch nicht (kirchliche Auftraggeber haben damals die Auftragsvergabe gern von der Konfession des\/der Architekt\/in gekn\u00fcpft)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da wir gegenw\u00e4rtig keine Informationen haben, ab wann die berufliche (und private) Partnerschaft von Ursula Hollatz und Hans Ulrich K\u00f6lsch bestand, sind wir hier auf Spekulationen angewiesen.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag 23. M\u00e4rz 2026:<\/strong><\/p>\n<p>Nach Befragung einer Zeitzeugin ergibt sich diese Aussage:<\/p>\n<p>Ursula K\u00f6lsch ist niemals unter ihrem Geburtsnamen Ursula Hollatz als Architektin \u00f6ffentlich aufgetreten. Sie ist weder aufgrund ihrer Pers\u00f6nlichkeitsstruktur, noch aufgrund der Zeitbedingungen als allein verantwortliche Architektin plausibel.<\/p>\n<p>Somit greift bisher Hypothese 2.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein architektonisch auff\u00e4liges Geb\u00e4ude, das ich aus meiner Jugend kenne, wurde offenbar 1953\/1954 von einer jungen Architektin entworfen: das katholische Jugendheim der St.-Laurentius-Gemeinde in Essen-Steele, Im Kirchspiel 16A. Das Geb\u00e4ude wurde nach Leerstand in den 1980er Jahren abgerissen. 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