{"id":750,"date":"2011-08-31T19:06:46","date_gmt":"2011-08-31T17:06:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=750"},"modified":"2011-08-31T19:26:21","modified_gmt":"2011-08-31T17:26:21","slug":"gescheitert-an-der-quotenhurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=750","title":{"rendered":"Dreileben \u2013 gescheitert an der Quotenh\u00fcrde?"},"content":{"rendered":"<p>Das Fernsehexperiment \u201e<a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/dreileben\/\" target=\"_blank\">Dreileben<\/a>\u201c ist an der Quotenh\u00fcrde gescheitert, wie zuvor schon die ambitionierte Serie \u201e<a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/imangesichtdesverbrechens\/\" target=\"_blank\">Im Angesicht des Verbrechens<\/a>\u201c. Niederlage f\u00fcr anspruchsvolle Produktionen? Nur, wenn man die Quote \u00fcberbewertet. Man sollte lieber einmal fragen, wie sie zustande kommt.<\/p>\n<p><!--more-->Heute steht in der <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/medien\/die-escort-zuschauer\/4557340.html\" target=\"_blank\">Zeitung<\/a>, dass der dreiteilige, vorgestern Abend ausgestrahlte Zyklus \u201eDreileben\u201c nur eine entt\u00e4uschende Zuschauerquote eingefahren habe. W\u00e4hrend der erste Film um 20.15 Uhr noch 2,6 Millionen Zuschauer hatte, sei der letzte Teil, der ab 23.30 gesendet wurde, nur noch von 0,8 Millionen gesehen worden. Zum Vergleich: Ein guter \u201eTatort\u201c holt gerne schon mal \u00fcber zehn Millionen. Es geh\u00f6rt nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, was jetzt kommt. Die Programmverantwortlichen der \u00d6ffentlich-Rechtlichen werden sage: \u201eWir haben es doch gewusst, anspruchsvolle Produktionen werden vom Zuschauer nicht angenommen\u201c. Und damit die weitere Verflachung ihrer Programme begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Doch wie kommt die Quote eigentlich zustande? Dazu zwei Gedankenschritte.<\/p>\n<p>Bei \u201eDreileben\u201c war doch von vornherein klar, dass die wenigsten Zuschauer an einem Werktag von acht Uhr abends bis ein Uhr nachts vor dem Fernsehen sitzen k\u00f6nnen (oder wollen). So schl\u00fcssig es war, diese drei inhaltlich eigenst\u00e4ndigen, aber eben doch miteinander verwobenen Filme an einem einzigen Abend zu senden, so wenig war damit zu rechnen, dass die Zuschauer es auch so konsumieren. Seit 25 Jahren gibt es in fast allen Haushalten Viderecorder, die ein nachtr\u00e4gliches Sehen von Fernsehinhalten erlauben. Moderne, fernsehtaugliche Computer und Festplattenrecorder erm\u00f6glichen gar ein zeitversetztes Ansehen gerade laufender Programme. Nicht wenige werden also diese Filme versetzt oder sp\u00e4ter angesehen haben, was aber bei der Quotenermittlung nicht erfasst wird.<\/p>\n<p>\u201eIm Angesicht des Verbrechens\u201c war zuerst erfolgreich auf \u201earte\u201c gelaufen. Jeder im Bekanntenkreis, von dem \u00fcberhaupt angenommen werden kann, sich f\u00fcrs Fernsehen zu interessieren, hatte die Serie bereits dort gesehen; sie war damals \u00fcberall Tagesgespr\u00e4ch. Nat\u00fcrlich sieht man sich dann die Wiederholung im \u201eErsten\u201c nicht mehr an.<\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt ist zu fragen, wer eigentlich f\u00fcr die Quote sorgt. Meines Wissens passiert das bis heute mit archaischen Mitteln: In \u2013 angeblich \u2013 repr\u00e4sentativ ausgew\u00e4hlten Haushalten muss jedes Familienmitglied in ein Ger\u00e4t eingeben, welchen Sender es gerade sieht. Bei jedem Programmwechsel oder beim Verlassen des Raums muss man dies dokumentieren. Ich frage mich schon l\u00e4nger, wer sich so etwas antut, zumal die Probanden davon so gut wie nichts haben. Ist es Wichtigtuerei? Oder glauben die Leute, mit ihrem Sehverhalten Inhalte zu beeinflussen? Jedenfalls liegt der Verdacht nahe, dass bildungsnahe Schichten sich eher weniger f\u00fcr derartige Konsumforschungen hergeben.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn man unterstellt, dass das <em>Panel<\/em> wirklich repr\u00e4sentativ ist, liegt es auf der Hand, dass das Sehverhalten von bewussten, kritischen Fernsehzuschauern sozusagen untergeht unter dem Gewicht der Viel-Fernseher. Denn gez\u00e4hlt wird nur, was die Leute wirklich sehen. Diejenigen, f\u00fcr die Fernsehen nur eine Option der Freizeitgestaltung unter vielen anderen M\u00f6glichkeiten ist, werden \u201euntergebuttert\u201c von den Dauerglotzern (bei denen wir eine tendenziell eher bildungsferne Haltung vermuten d\u00fcrfen). Erst, wenn die Gesamtdauer der Fernsehnutzung in die Quotendaten eingerechnet w\u00fcrde (was technisch ja kein Problem w\u00e4re), w\u00e4ren die Quoten aussagef\u00e4hig. Anders gesagt: Wer t\u00e4glich eine Stunde fernsieht, dessen \u201eStimme\u201c m\u00fcsste um den Faktor 6 mehr z\u00e4hlen als die \u201eStimme\u201c dessen, der sechs Stunden schaut.<\/p>\n<p>Solange das aber nicht der Fall ist, werden die Quoten halt tendenziell von den \u201eFalschen\u201c gemacht. Ein \u00f6ffentlich-rechtliches Fernsehen, das demn\u00e4chst sogar von einer Haushalts-Zwangsabgabe finanziert wird, hat nicht den Auftrag, sein Programm an diesen \u201eFalschen\u201c auszurichten. Es hat den Auftrag, im Fernsehen f\u00fcr Qualit\u00e4t zu sorgen. So wie es das Fernsehen bei \u201eDreileben\u201c und \u201eIm Angesicht des Verbrechens\u201c vorbildlich getan hat. Diese Anstrengungen jetzt wegen des Quoten-Misserfolgs aufzugeben, w\u00e4re genau das falsche Signal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fernsehexperiment \u201eDreileben\u201c ist an der Quotenh\u00fcrde gescheitert, wie zuvor schon die ambitionierte Serie \u201eIm Angesicht des Verbrechens\u201c. Niederlage f\u00fcr anspruchsvolle Produktionen? Nur, wenn man die Quote \u00fcberbewertet. Man sollte lieber einmal fragen, wie sie zustande kommt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[],"class_list":["post-750","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/750","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=750"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/750\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":757,"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/750\/revisions\/757"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hotze.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}