{"id":761,"date":"2011-10-31T17:37:28","date_gmt":"2011-10-31T16:37:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hotze.net\/?p=761"},"modified":"2011-11-02T09:34:30","modified_gmt":"2011-11-02T08:34:30","slug":"wein-beim-discounter-der-%e2%80%9esuper-schoppen-shopper%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hotze.net\/?p=761","title":{"rendered":"Wein beim Discounter: Der \u201eSuper Schoppen-Shopper\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein erfolgreicher Weinf\u00fchrer testet das Sortiment der Superm\u00e4rkte und Discounter. Die etablierte Weinszene wird dar\u00fcber nerv\u00f6s \u2013 aus gutem Grund.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.hotze.net\/?attachment_id=762\" rel=\"attachment wp-att-762\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-762\" title=\"30637070Z\" src=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/30637070Z.jpg\" alt=\"\" width=\"247\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/30637070Z.jpg 247w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/30637070Z-88x150.jpg 88w, https:\/\/blog.hotze.net\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/30637070Z-176x300.jpg 176w\" sizes=\"auto, (max-width: 247px) 100vw, 247px\" \/><!--more--><\/a>Die meisten Leute haben wenig Ahnung von Wein. Dagegen k\u00f6nnten sie zwar auf l\u00e4ngere Sicht etwas unternehmen \u2013 was man aber von niemandem verlangen kann. Die meisten Konsumenten nehmen, was sie kennen: Die einen schw\u00f6ren auf &#8222;ihren&#8220; Winzer an der Mosel, bei dem sie sich einmal im Jahr den Kofferraum vollladen, die anderen folgen Gastrokritikern, Weinkolumnisten, Genie\u00dferzeitschriften und Weinblogs. Deren Empfehlungen d\u00fcrften allerdings recht schnell ins Geld gehen.<\/p>\n<p>Nicht jeder kann oder will f\u00fcr Wein viel bezahlen. Deshalb wird 70 Prozent des Weines hierzulande im Supermarkt und bei Discountern eingekauft. So hei\u00dft es zum Beispiel, dass Aldi der gr\u00f6\u00dfte Weinh\u00e4ndler der Republik sei. Doch bisher waren die Konsumenten hier weit gehend auf sich selbst gestellt. Wenn einmal Weine von Aldi, Lidl &amp; Co. von Feinschmeckerzeitschriften verkostet wurden, war das Ergebnis meist vorhersehbar: Ungenie\u00dfbar. Ein Schelm, wer B\u00f6ses dabei denkt. Solche Zeitschriften haben ein Interesse daran, ihren Anzeigenkunden ein konsumfreundliches Umfeld zu bieten; da w\u00fcrde ein Lob f\u00fcr einen Discounterwein nur Verwirrung stiften. Au\u00dferdem muss ein handwerklich sauber erzeugter Wein, so das Mantra dieser Kreise, im Laden mindestens 4 bis 5 Euro kosten.<\/p>\n<p>Es gab auch zuvor schon Buchprojekte, in denen Supermarktweine getestet wurden, doch diese waren immer als Empfehlungslisten aufgezogen. Wenn ein Wein auf einer solchen Positivliste nicht auftauchte, konnte man daraus genau gar nichts schlie\u00dfen: Ob er verkostet und f\u00fcr unw\u00fcrdig befunden oder ob er schlicht nicht getestet worden ist, war nicht ersichtlich.<\/p>\n<p>Das Buch <strong>\u201eSuper Schoppen-Shopper\u201c<\/strong> von Cordula Eich, das mit dem Untertitel &#8222;2011-2012&#8220; bereits in dritter Auflage vorliegt, macht das anders. Die Autorin unterscheidet zwar nicht sauber zwischen Supermarkt und Discounter, aber sie hat einen gewissen Vollst\u00e4ndigkeitsanspruch. Zumindest bei den Discountern, die ja ein einigerma\u00dfen \u00fcberschaubares (Dauer-)Sortiment anbieten, ist ihr die Vollst\u00e4ndigkeit auch einigerma\u00dfen gut gelungen. Hier findet der Leser die meisten Weine wieder, die ihm bei Penny, Netto und den anderen im Regal begegnen.<\/p>\n<p>Ich gehe gleich auf die Art der Bewertung von Cordula Eich ein, doch zun\u00e4chst soll es um die Reaktionen gehen, die ein solches Buch in &#8222;etablierten&#8220; Weinkreisen ausgel\u00f6st hat. Nat\u00fcrlich gab es hier sofort den Reflex: &#8222;Kann gar nichts taugen!&#8220;, so beim <a href=\"http:\/\/lagazzettadelvino.blogspot.com\/2010\/01\/super-schoppen-shopper-2010.html\" target=\"_blank\">Direttore<\/a>: \u201cDeutschlands \u00fcberfl\u00fcssigster Supermarktweinf\u00fchrer!\u201c Die vom Direttore statt dessen empfohlene, oben bereits erw\u00e4hnte <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/s\/ref=nb_ss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&amp;url=search-alias%3Daps&amp;field-keywords=till+ehrlich\" target=\"_blank\">Buchreihe von Till Ehrlich<\/a> wird aber augenscheinlich seit 2006 nicht aktualisiert. Tja. Gern wird auch die Existenz der Autorin in Zweifel gezogen: Dahinter verberge sich vielmehr eine in Amsterdam ans\u00e4ssige Gesellschaft, will <a href=\"http:\/\/drinktank.blogg.de\/eintrag.php?id=2935\" target=\"_blank\">Mario Scheuermann herausgefunden<\/a> haben. Richtig ist daran wohl, dass Cordula Eich in Wirklichkeit anders hei\u00dft und sich ein Pseudonym zugelegt hat, um ihre Familie zu sch\u00fctzen. Aber dass es sie gibt, kann Weinblogger Dirk W\u00fcrtz best\u00e4tigen: Er ist mit ihr zusammen in einem <a href=\"http:\/\/wuertz-wein.de\/wordpress\/2011\/09\/27\/super-schoppen-shopper-video\/\">charmanten Video<\/a> aufgetreten, in dem ein gemeinsames Produkt beworben wird: ein Kombipack, das zwei Flaschen Rotwein und das besagte Buch enth\u00e4lt und im Oktober 2011 bei Lidl zu kaufen war.<\/p>\n<p>Michael W. Pleitgen bringt meines Erachtens den fundiertesten <a href=\"http:\/\/www.weinakademie-berlin.de\/noch-ein-fuehrer\" target=\"_blank\">Einwand<\/a> gegen ein solches Buchkonzept, wobei er freim\u00fctig bekennt, das Buch nicht zu kennen:<\/p>\n<blockquote><p>Auch ohne das Buch gesehen zu haben, finde ich es sehr problematisch, einzelne Supermarkt-Weine in Form eines F\u00fchrers zu bewerten. Wer das tut, verkennt vollkommen die Dynamik eines Supermarkt- oder noch viel mehr eines Discount-Sortimentes. Discount-Weine verkaufen sich in Millionen-Auflage, selbst Bio-Weine erreichen schnell 700.000 &#8211; 800.000 Flaschen. Weine mit f\u00fcr den Laien fast identischen Etiketten kommen h\u00e4ufig von verschiedenen Lieferanten oder aus unterschiedlichen Abf\u00fcllungen. Wenn man all diese Feinheiten ber\u00fccksichtigen will, kann am Ende kein griffiger F\u00fchrer herauskommen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wohl wahr: Ein F\u00fchrer zu Discounterweinen kann nur eine Momentaufnahme sein. Einen anderen Anspruch hat Cordula Eich auch nicht. Viele Weine werden von ihr bereits deshalb abgewertet, weil sie zu alte (\u00fcberlagerte) Jahrg\u00e4nge beim Testkauf vorgefunden hat. Das Ganze also ist kein reproduzierbarer Versuchsaufbau, aber der bislang beste Versuch, sich dem Thema &#8222;Qualit\u00e4t beim Discounter&#8220; zu n\u00e4hern. Einen besseren Vorschlag haben ihre Kritiker jedenfalls bislang nicht gemacht.<\/p>\n<p>Kommen wir zur\u00fcck zu Cordula Eichs Bewertungen. Die sind flapsig, bewusst unsachlich und gehen meist meilenweit am Thema Weingeschmack vorbei. Eine ihrer Bemerkungen, &#8222;Werthers Echte in Fl\u00fcssigform&#8220;, ist da schon fast ungew\u00f6hnlich aussagereich. Mich hat dieser Stil beim ersten Diagonal-Lesen genervt. Doch dann ist mir ziemlich schnell aufgegangen, dass es eigentlich nur so geht. Man muss sich das so vorstellen: Da stehen 1.300 verschiedene Flaschen vor der Autorin, viele davon sind Schrott, oder sagen wir, ganz, ganz einfache Industrieweine. Es w\u00e4re wohl kaum leistbar, zu allen diesen Weinen seri\u00f6se Verkostungsnotizen zu schreiben; die meisten Abf\u00fcllungen geben daf\u00fcr gar nicht genug Substanz her.<\/p>\n<p>Aber die unsch\u00e4tzbare Leistung der Autorin ist es, die Perlen unter diesen glanzlosen Produkten gefunden und benannt zu haben. Dazu vergibt sie einen\u00a0Punkteschl\u00fcssel von null bis vier Gl\u00e4sern, die ausdr\u00fccklich eine preisabh\u00e4ngige Bewertung darstellen (und eine subjektive sowieso). Und hier liegt sie, soweit ich das vergleichen oder nachvollziehen kann, sehr richtig. Hier sind echte Entdeckungen zu machen, oft zum ganz kleinen Preis, auch von unter 2 Euro. Eine Liste von 100 Weinen, die mit drei oder vier Gl\u00e4sern abgeschnitten haben, hat sie <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/lifestyle\/essen-trinken\/wein\/beste-weine-supermarkt-20162574.bild.html\" target=\"_blank\">hier f\u00fcr die Bild-Zeitung<\/a> zusammengestellt und gibt dem, der sich das Buch nicht kaufen m\u00f6chte, eine gut brauchbare Positivliste f\u00fcr den n\u00e4chsten Weineinkauf beim Discounter. Eine Liste, die jedenfalls so lange g\u00fcltig ist, wie der Wein aus einer Charge kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein erfolgreicher Weinf\u00fchrer testet das Sortiment der Superm\u00e4rkte und Discounter. 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