Ich bin durch einen Bericht der FAZ auf die deutsche Uhrenmanufaktur Damasko aus Bayern aufmerksam geworden. Und habe mir deren für mich attraktivstes Modell DC 76/2 gleich beim Hersteller bestellt. Diese Uhr hat eigentlich alles, was die anderen nicht haben; sie hat also die Chance, zu meiner Erst-Uhr zu werden. Allerdings verlief die Geschichte meines Kaufs nicht ganz reibungslos…
Die Damasko DC 76/2 ist ein Chronograph (also eine mechanische Sportuhr mit integrierter Stoppuhr) eines deutschen Herstellers, der mit einer hohen Fertigungstiefe in Deutschland wirbt. Das ist nicht ganz unwesentlich angesichts der Streitigkeiten zum Thema „Glashütte“. – Die Uhr besitzt ein Manufakturkaliber (also ein Uhrwerk, das der Hersteller selbst herstellt, statt es bei den üblichen Verdächtigen ETA oder Selitta zuzukaufen) und wurde in der gestalterisch ansprechenden Version „orange“ ursprünglich mit dem wasserfesten Leder-Kautschukband „Robby“ von Hirsch ausgeliefert (wie auf dem Foto). Inzwischen (Februar 2026) ist das Modell nicht mehr im Angebot des Herstellers, abgesehen von einem Einzelstück mit anderem Band.
Die Uhr, die mit 41 mm Gehäusedurchmesser angegeben wird (hier gemessen: 42 mm) wirkt optisch größer, da keine breite Lünette verbaut ist und daher das Ziffernblatt größer wirkt als bei anderen 41-mm-Uhren (wie z.B. der Sinn 144).
Besonders durchdacht ist das Anzeigekonzept: Wie bei Chronographen üblich, zeigt das Ziffernblatt zusätzlich drei Hilfsziffernblätter. Das Modell „orange“ differenziert nun schon durch die Farbgebung zwischen normaler Zeitangabe und Stoppuhr-Funktion: Die normale Zeit wird durch weiße Zeiger angezeigt (Stunde und Minute auf dem Hauptziffernblatt, dazu kleine Sekunde an der 9 und 24-Stunden-Anzeige an der 3).
(Das Datum sitzt übrigens kaum sichtbar zwischen der 4 und der 5; immerhin gibt es eins!)
Die Stoppuhr-Zeiten werden hingegen mit orangefarbenen Zeigern angezeigt: die Sekunden und die Minuten mit zwei Zeigern auf dem „main dial“, dazu die Stunden an der 6. Sehr clever, so etwas habe ich woanders noch nie gesehen. Dieses Layout hat angeblich eine Tochter der Familie Damasko ausgetüftelt. Respekt!
Mit ihrer Schraubkrone ist die Uhr für 100 m Wassertiefe zertifiziert, was mir ermöglicht, sie beim Duschen und Baden anzubehalten.
Mein Exemplar läuft derzeit mit 0 sec Fehlgang auf 24 h; auch dafür Respekt! Das sind Quarz-Werte, auch wenn ich weiß, dass sich die Ganggenauigkeit bei mechanischen Uhren schnell ändern kann.
Meine Story mit der Damasko
Der erwähnte Artikel aus der FAZ, den ich online gelesen hatte, kam aus der Rubrik „Unternehmen“. Ohne den Journalistenkollegen etwas unterstellen zu wollen, wird man feststellen können, dass diese Rubrik eher wirtschaftsnah und den behandelten Unternehmen gegenüber wohlwollend aufgestellt ist. Das teilte sich online aber nicht mit; ich habe auf das Qualitätslabel „kritischer Journalismus“ der FAZ vertraut.
Mein Kauf der Uhr direkt beim Hersteller Damasko erschien zunächst als Erfolgsgeschichte (ich war stolz auf die tolle Uhr!), bis sich nach wenigen Monaten ein Fehler einstellte: Die Uhr zeigte aus heiterem Himmel plötzlich einen krassen Fehlgang von ca. 90 min /24 h. Damasko hat das im Rahmen der Gewährleistung problemlos repariert.
Nun trat der selbe Fehler mit exakt derselben Gangabweichung einige Monate später erneut auf. Nun versuchte Damasko etwas spitzfindig, dies als Kundenverschulden darzustellen („Sturz oder Fall“), obwohl nichts dergleichen vorgefallen war. Schließlich wurde auch das problemlos repariert.
Als nun zum dritten Mal wieder genau derselbe Fehler aufgetreten ist, bin ich gegenüber Damasko vom Kauf zurückgetreten. Was soll ich mit einer 4.000-Euro-Uhr, die nicht funktioniert? Damasko hat sich darauf eingelassen; ich habe die Uhr zurückgeschickt und den Kaufpreis erstattet bekommen. Damit waren natürlich auch das schicke Hirsch-Band und die Damasko-Faltschließe weg.
Meine Zuneigung zu dieser Uhr hat mich danach mitnichten losgelassen, so dass ich auf Chrono24 immer mal wieder danach gesucht habe. Nun bin ich bei einem amerikanischen Privatverkäufer fündig geworden, der diese angeblich „unworn“ Uhr anbot. Auch diese mit einem anderen Band, aber immerhin „orange“.
Amerikaner haben offenbar eine unkonventionelle Haltung zu Regeln; seine Uhr hatte weder eine korrekte Rechnung (kein Rechnungsdatum, keine Modellbezeichnung, keine Seriennummer) noch einen verwertbaren Eintrag im Garantieheft. Dafür die treuherzige Möglichkeit, den autorisierten Händler „Mark“ per E-Mail anzuschreiben.
Nach Zahlung der Einfuhr-Umsatzsteuer und dem Kauf des Hirsch-Bandes Robby sowie dem Kauf der Damasko-Faltschließe habe ich nun wieder meine Traumuhr am Arm. Yeah!
(Damasko sollte allerdings die schöne hauseigene Faltschließe für moderate 31 Euro auf der Website nicht verstecken, nur weil sie außerdem eine „Manufaktur“-Faltschließe für rund 800 Euro im Angebot haben.)
