Die ersten Familien-Urlaube meiner Kindheit fanden von 1967 bis etwa 1971 in einer hellgrünen Holz-Jagdhütte statt. Die Hütte war primitiv ausgestattet: kein Bad, keine Dusche, Plumpsklo vor dem Haus. Immerhin geb es Strom und fließend Wasser. Zum Beheizen mussten wir Heizöl in Kannen kaufen. Müll mussten wir auf eine Müllkippe fahren. Für uns als Großstadt-Kinder war die Hütte im nördlichen Hessen dennoch der erste Kontakt mit der freien Natur. Ein Wiederbesuch
Wommelshausen im Kreis Biedenkopf hieß es damals; Bad-Endbach-Wommelshausen im Kreis Marburg-Biedenkopf heißt es heute. Lustigerweise lag die Hütte direkt am Ortseingangsschild. An dieser Stelle stehen heute andere Gebäude, die Hütte wurde irgendwann in den 1970er oder 1980er Jahren abgerissen.
Auslöser für meine Entscheidung, Wommelshausen einen Logier-Besuch abzustatten, war die Existenz eines neuen Angebots: Nur wenige hundert Meter von unserer ehemaligen Hütte entfernt bietet eine private Anbieterin mit hohem (auch ökologischem) Engagement ein „Tiny House“ an. Das wollte ich mir ansehen und habe zwei Nächte im August 2026 dort gebucht.
Von dort aus konnte ich das Dorf erkunden – und um es gleich zu sagen: Es ist völlig ereignislos.
Mein Vater hat uns Kindern um 1970 noch die Flora und Fauna erklärt: Mäusebussard, Roter Milan, Feldlärche, Turmfalke… alles präsent. Heute habe ich einmal einen Eichelhäher gehört und sonst weder Vögel gehört noch gesehen.
Niemand bewegt sich im Dorf zu Fuß, alle fahren Auto, gerne auch furchteinflößende Pick-Up-Trucks. Ein Auto mit E im Kennzeichen habe ich nicht gesehen, obwohl die Leute hier alle eigene Häuser und Grundstücke haben und daher eigene Lademöglichkeiten installieren könnten.
Damals gab es einen Edeka im Dorf, der von einem Herrn Becker geführt wurde, der sich mit meinem Vater gerne über Themen wie Opel Commodore oder Fußball-Bundesliga ausgetauscht hat. Den Standort des ehemaligen Edeka identifiziere ich nach meiner kindlichen Erinnerung hier:
Die alte evangelische Kirche im Dorf galt damals als baufällig, wurde sogar als Abrisskandidat gehandelt. Daher war eine neue moderne Kirche errichtet worden. Heute ist die alte Kirche durch bürgerschaftliches Engagement baulich gesichert.
Das Schönste an Wommelshausen ist die Fernsicht auf das Dorf. Da sieht man dann auch die moderne Kirche…
Da mich Wommelshausen nicht halten konnte, bin ich nachmittags ins benachbarte Bad Endbach aufgebrochen – 2,8 km zu Fuß, allerdings hauptsächlich bergab.
Einen öffentlichen Nahverkehr im städtischen Sinne gibt es hier nicht; die Verbindung zwischen Wommelshausen und Bad Endbach wird durch eine Buslinie im 2-Stunden-Takt gewährleistet, allerdings als Rufbus, den man vorher telefonisch buchen muss. Meine Erfahrungen changieren zwischen pünktlich und 35 min verspätet.
Immerhin bekam ich in Bad Endbach im Kurpark griechisches Essen, und im Ortszentrum gab es zwar keine Vollsortimenter, aber gleich zwei Metzgereien. Da habe ich mir mein Proviant-Brötchen für die Rückfahrt am nächsten Tag belegen lassen.
Noch einen Tag länger hätte ich es hier nämlich nicht ausgehalten.





