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Für unsere St. Laurentius-Pfarrkirche

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Es ist Sonntag. Auch im säkularen Berlin läuten die Glocken. Sie erinnern mich an den „Steeler Dom“ meiner Kindheit.

Die St.-Laurentius-Pfarrkirche in Essen-Steele ist eine feste Größe meiner Kindheit. Die neugotische Kirche wurde 1870-73 durch den Architekten August von Rincklake errichtet, was aber nichts mit dem vornehmen Einrichtungshaus „Rincklake van Endert“ in Münster zu tun hat. Die „aufwendige, dreischiffige Werksteinbasilika“ (Dehio Nordrhein-Westfalen I, Rheinland) throhnt über der durch eine verheerende städtebauliche „Sanierung“ der 1970er Jahren verstümmelten Altstadt von Essen-Steele, einem urkundlich älteren Ort als Essen. Der Raum von St. Laurentius „von malerischer Wirkung“ (Dehio) zeichnet sich durch ein zentrales Oktogon aus, das außen von einem mächtigen Vierungsdachreiter gekrönt wird, der fast so hoch ist wie der Hauptturm des Westwerks. In der Osternacht läuteten die Glocken hier immer die „Halleluja“-Melodie. Küster Willi Selcker, der in der Sakristei immer heimlich „Atika“-Zigaretten geraucht hat, konnte dies auf Knopfdruck auslösen.

Als unsere Familie 1968 nach Essen-Steele gezogen ist, war die Laurentiuskirche unzugänglich „in restauro“: Dechant Heinrich Vogel hatte die Umstrukturierung nach den Vorgaben des 2. Vatikanums in Auftrag gegeben, die nach Plänen des Bildhauers Rudolf Peer 1968-70 vollzogen wurde. Wir Gottesdienstbesucher mussten so lange in die schlichte, nach dem Vorbild der Ravenna-Basiliken gestalteten St.-Eligius-Kirche ausweichen, die kurz zuvor eröffnet worden war und inzwischen abgerissen wurde.

Erhalten blieb in St. Laurentius der goldprunkende neugotische Schnitzaltar. Neu aufgehängt wurde ein moderner Kronleuchter in Zentrum des Oktogons aus gefühlt 1.000 Glühbirnen, die ich als Kind immer versucht habe zu zählen, um mir die Langeweile zu vertreiben. Diesen Kronleuchter gibt es inzwischen nicht mehr.

Die wuchtige Hauptorgel mit ihrem neugotischen Prospekt reichte Dechant Vogel (Ministranten-Spitzname: „Der Ötsch“) nicht, es wurde in den 70er Jahren für eine Chororgel gesammelt, die dann im Oktogon errichtet wurde. Kantor Hermann-Josef Beyer durfte diese Orgel dann an hohem Festtagen zusätzlich bespielen. Er war ein Künstlertyp, der gerne seine Mähne zurückwarf. An Silvester ließ er den Kirchenchor zum Te Deum („Großer Gott wir loben dich“) immer besonders extreme Koloraturen singen, was mich als Kind nachhaltig beeindruckt hat.

In den siebziger Jahren hatte die Laurentius-Gemeinde mindestens drei festangestellte Priester. Neben dem „Ötsch“ gab es damals den Kaplan Dieter Mundus, Spitzname „Der Lull“, der der konservativen Schönstatt-Bewegung nahestand und immer im schwarzen Priesterkragen aufgetreten ist. Ihn haben wir Messdiener wegen seines Sendungsbewusstseins als etwas unangenehm empfunden. Große Stücke hielten meine Eltern hingegen von Heinz-Josef Tillmann, einem intellektuellen Priester, der das Stichwort „Meditation“ in die katholische Gemeindepredigt einführte. Er wurde dann leider 1976 weggelobt zum Leiter des Studienkollegs im benachbarten Bochum.

In Deutschland sind etwa 33% der Bevölkerung katholisch. Davon gehen 10% regelmäßig zum Gottesdienst, also rechnerisch 3,3% der Bevölkerung. Das heißt bim Umkehrschluss, dass 97% der Bevölkerung nicht in den katholischen Gottesdienst geht.

„Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit“ (Te Deum). Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.

Geschrieben von Benedikt Hotze

8. April 2018 um 10:43

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