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Der ganz normale Abriss-Wahnsinn – Brümmerstraße 48 in Berlin-Dahlem

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Auf meinem täglichen Fahrradweg fiel mir ein Trümmerhaufen auf: Das Haus Brümmerstraße 48 in Berlin-Dahlem wurde abgerissen; das damit verbundene Haus Nr. 50 steht noch. Genutzt wurde das Doppelhaus-Ensemble bislang von der Freien Universität Berlin (FU). Zerstört die FU hier ihr historisches Erbe?

Foto: Google Street View. Das linke Haus (Nr. 48) ist weg.

So einfach ist es wohl nicht. In einer schnellen Netzrecherche findet man ein inaktives, undatiertes Verkaufsexposé für das Grundstück Brümmerstraße  48-50. Darin heißt es:

Reihengrundstück bebaut mit zwei zweigeschossigen historischen Stadtvillen und einem Verbindungsbau, die Gebäude wurden ehemals von der Freien Universität Berlin als Verwaltungsgebäude genutzt.

Die Gebäude weisen insgesamt einen teilweise vernachlässigten Gesamtzustand mit einem dem Alter entsprechend durchschnittlichen Bauzustand und deutlichem Instandhaltungsmängeln auf.

Aus dem Text geht hervor, dass die FU das Ensemble offenbar 2017 in einem Bieterverfahren zum Verkauf angeboten hat, Mindestgebot 2 Mio. €. Der Verkauf ist offenbar mittlerweile erfolgt, und der Käufer scheint das Haus Nr. 50 erhalten zu wollen, während er die Nummer 48 und das Verbindungsbauwerk bereits zerstört hat. Eine tiefergehende Recherche der Hintergründe habe ich bislang nicht unternommen, ich stütze mich hier auf den Augenschein.

Es handelte sich um ein durchaus originelles und gut erhaltenes Ensemble aus zwei zweigeschossigen Wohnhäusern, die augenscheinlich aus den 1920er Jahren stammen, wegen der neobarock-expressionistischen Ornamentik (Zwiebelhaube über dem Eingang der Nr. 50!) wohl genauer aus der Zeit um 1925-27 (so die Mutmaßung des freihändig datierenden Fahrradfahrers). Unter Denkmalschutz steht die Liegenschaft nicht.

Trotzdem ist es unverständlich, dass eine öffentliche Institution erhaltenswürdige historische Bausubstanz auf Abriss verkauft, wo doch sowohl Klimaschutz-Erwägungen (Stichwort: Graue Energie des Bestandsbaus) als auch die Erhaltung des Ortsbildes eine solche Lösung verbieten müssten.

Geschrieben von Benedikt Hotze

22. Mai 2021 um 00:40

Abgelegt in Allgemein,Architektur

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