Die beiden führenden überregionalen Tageszeitungen des Landes, FAZ und Süddeutsche, bringen zufällig beide in der Ausgabe von Samstag, 19. September 2026, sehr ähnliche Agentur-Bilder vom S-Bahn-Einschnitt nahe der Schönhauser Allee in Berlin – allerdings um damit zwei völlig unterschiedliche Beiträge zu illustrieren. Auffällig ist die offensichtliche Verwahrlosung der gezeigten Bausubstanz. Hält das einem Reality-Check stand?

FAZ, 19.09.2026

Die Artikel zitiere ich hier aus urheberrechtlichen Gründen nur als „Ausrisse“.
Die Schönhauser Allee liegt im Stadtteil Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow (vor der Bezirksreform von 2001 war Prenzlauer Berg ein eigener „Stadtbezirk“, wie es im DDR-Verwaltungsjargon hieß.). Der Prenzlauer Berg, damals ein baulich heruntergekommener Altbau-Arbeiterbezirk mit einer republikweit ausstrahlendem Alternativszene (vergleichbar mit Leipzig-Connewitz und Dresden-Äußere Neustadt), wurde nach der Wende medienwirksam gentrifiziert und als neue Heimat zugezogener schwäbischer Lastenrad-Mütter beschrieben. Inzwischen fehlt es diesen allerdings an Nachwuchs…
Gleichwohl sollte man annehmen, dass die Bausubstanz dort inzwischen saniert ist. Die IMAGO-Agenturbilder von Jürgen Bitter, die in beiden Zeitungen zufällig zeitgleich verwendet wurden, zeigen hingegen unverputzte, graffitibeschmierte Ziegelfassaden zur Trasse der Ringbahn hin, die mit dem geläufigen Bild nichts zu tun haben scheinen. Bronx, denk man vielmehr.
Die FAZ hat damit immerhin einen Beitrag über die Verwahrlosung Berlins bebildert; die SZ hingegen eine Reportage über politische Meinungen von S-Bahn-Fahrgästen auf der Ringbahn. Hier hätte die. SZ-Bildredaktion ein weniger knalliges Foto wählen müssen.
Die fotografierte Szene betrifft die Giebelwände von Seitenflügeln der dort typischen Gründerzeitbebauung zwischen Sonnenburger und Rhinower Straße. Diese sind zum S-Bahn-Einschnitt tatsächlich bis heute nicht verputzt; allerdings gäbe es dafür auch keinen dringenden bauerhaltenden Grund. Die dramatischen Agenturbilder taugen jedenfalls nicht dazu, Berlin als verwahrlost zu beschreiben – da gibt es ganz andere Baustellen.

Quelle: Apple Maps