So macht man das: Deutschland hat 2014 einen Beitrag zur Architektur-Biennale, der sofort verstanden wird, enorme Schauwerte liefert und dann auch noch der Erkenntnis dient.
Archiv für die Kategorie ‘Architektur’
Buchrezension: Das Tempelhofer Feld von Rolf Lautenschläger
Am 25. Mai können die Berliner in einer Volksabstimmung darüber abstimmen, ob das Tempelhofer Feld von jeglicher Bebauung freigehalten werden soll, oder ob die Ränder der riesigen Freifläche des ehemaligen Flughafens Tempelhof bebaut werden können, wie es der Berliner Senat plant. Rechtzeitig dazu ist ein kleines, feines Buch erschienen, prall gefüllt mit Geschichten von diesem mythischen Ort.

Das Blaue Wunder von Chemnitz: Eisenbahnviadukt in Gefahr

Ein Verkehrsbauwerk als Wahrzeichen: Wie die Elbbrücke „Blaues Wunder“ in Dresden steht in Chemnitz das markante Eisenbahnviadukt über Annaberger Straße und Beckerstraße für Industrie und Fortschritt. Doch im Zuge des Fortschritts will die Deutsche Bahn das Viadukt abreißen. Den Entwurf eines Ersatzbauwerks gibt es schon. Würde er umgesetzt, verlöre Sachsens drittgrößte Stadt einen zentralen Identifikationsort.
Feuerwachtürme in der DDR: Stasi und NVA wachten mit
Heute fiel mir wieder ein schlanker, 30 Meter hoher Turm an der B1/B5 bei Hoppegarten östlich von Berlin auf. Schon immer war da die Frage, wozu diese im Gebiet der ehemaligen DDR offenbar nach Typenentwurf errichteten Türme dienen sollten. Verkehrsüberwachung der Einfallstraßen in die Hauptstadt? Das war die Vermutung. Doch es sind Feuerwachtürme. Zumindest sind sie unter diesem Vorwand errichtet worden…

Gipfel des Wietkiekenberges bei Ferch (Brandenburg) mit Feuerwachturm. Foto: Lienhard Schulz, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license
„Nutzung nicht vorgesehen“: Minimalistische Denkmalpflege am KZ Sachsenhausen
Das „Grüne Ungeheuer“ ist saniert worden. Oder zumindest gesichert: Ein Gebäude an der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in wichtiger städtebaulicher Lage ist vor dem weiteren Verfall bewahrt worden – indem man es ohne Nutzung und ohne Fenster in situ konserviert hat. Eine eher ungewöhnliche denkmalpraktische Maßnahme…

Buchrezension: Vor den Zerstörungen der „Sanierung“: Steele – wie es einmal war
Als Kind und Jugendlicher bin ich in Essen-Steele aufgewachsen. Während dieser Zeit, in den siebziger Jahren, wurde dort eine verheerende Flächensanierung durchgeführt. Ein ansprechendes kleines Buch zeigt jetzt Ansichten aus dem alten Steele vor der „Sanierung“.

Beelitz-Heilstätten: Fotos von einem sensationell verfallenen Ort
Warum habe ich eigentlich eine teure und aufwändige Architektur-Fotoausrüstung? Warum ein extremes 17-mm-Tilt-und-Shift-Objektiv und eine System-Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor, wenn ich dann doch die meisten Architekturbilder mit der Kompaktknipse oder gleich mit dem Mobiltelefon mache? – Hier gibt es iPhone-Fotos von einem Sonntags-Abstecher nach Beelitz-Heilstätten…

Der Operationspavillon für Tbc-Kranke ist 1927/28 durch den Architekten Fritz Schulz expressionistisch angehaucht errichtet worden
Ein Tick anders: Ein Fernsehfilm mit Architektur-Affinität
„Die Ticks kommen, wann sie wollen, und nicht, wenn man sie braucht“ – das sagt die patente 17-jährige Eva (Jasna Fritzi Bauer), Hauptfigur in dem Fernsehfilm „Ein Tick anders“ von 2010. Eva hat das Tourette-Syndrom, oder auch „Koprolalie“: Sie muss zwanghaft üble Schimpfworte ausstoßen. Der Film besticht nicht nur durch seine sympathische Hauptfigur und die erfrischende Story, sondern auch durch seine ungewöhnliche Architektur-Affinität. Ein paar Screenshots als Zitate…

Hier ist Eva zuhause: Der 30er-Jahre-Bau mit leichtem Kreissegmentbogen über der Tür wird immer wieder gezeigt
Güterfelde: Wohnungen ins Lustschloss gequetscht
Ein Nürnberger Projektentwickler hat das Neorenaissance-Schloss Güterfelde, zwischen Berlin und Potsdam gelegen, zu Wohnzwecken umgebaut. Kreative Denkmalpflege oder Absurdität?

Im so genannten „Lehmbau“ aus den fünfziger Jahren sind neun Reihenhäuser eingebaut worden, die der Investor „Townhouses“ nennt. Im Schloss selbst sind 27 Wohnungen entstanden – einige davon im Wortsinne „unterirdisch“.
Buchrezension: Faszination Eisenbahn – Bahnkultur in Brandenburg
Ein Allerweltstitel wie „Faszination Eisenbahn“ führt zunächst auf die falsche Fährte. Doch dieses Buch ist eben keine Publikation von enthusiastischen Eisenbahnfans („Pufferküssern“), sondern eine offizielle Veröffentlichung des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege. Hier finden sich, systematisch aufbereitet, verdienstvolle Informationen – und einige kleine Ungereimtheiten.
Rimpl, Eiermann, Schinkelschule: Ein Sonntagsausflug ins Havelland
Auf dem Weg zu einigen Bauten der Moderne im Havelland findet man am Wegesrand auch noch etwas ganz Anderes: Kirchen der Schinkelschule zum Beispiel. Und eine Goldelse im Wald. Ein Bericht von einem kleinen Sonntagsausflug im Februar 2014.

Buchrezension: Fast seit 25 Jahren – der Reimer-Architekturführer Berlin
1989 kam der Architekturführer Berlin aus dem Reimer-Verlag erstmals auf den Markt – damals zunächst noch beschränkt auf das Gebiet von West-Berlin. Inzwischen gibt es dieses Standardwerk für die deutsche Hauptstadt in einer überarbeiteten und erweiterten 7. Auflage.
Denkmalpflege ohne Dämmwahn: Siedlung Onkel Toms Hütte in Berlin
Studenten im Villenviertel: Ein Denkmalinventar für Berlin-Dahlem
Mein täglicher Weg führt durch Berlin-Dahlem. Dahlems Trick zum Jungbleiben: Hier werden täglich 35.000 Studenten in ein verschlafenes bürgerliches Villenviertel gekippt. Nach dem Krieg ist hier die neu gegründete Freie Universität (FU) in ältere Bauten eines Kaiser-Wilhelm-Instituts gesteckt worden; Neubauten folgten. Ein neues Denkmalinventar erzählt materialprall die Geschichte Dahlemer Bauten.
Erst Nazis, dann Amis, jetzt Schlümpfe
1936-38 als Luftgaukommando III nach Plänen des Architekten Fritz Fuß errichtet, 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht als Hauptquartier in Berlin requiriert, seit 2004 bis auf eine Konsularabteilung der Amerikaner leer stehend: Die monumentale, denkmalgeschützte Kasernenanlage der Nazis an der Clayallee/Saargemünder Straße in Berlin-Dahlem wird zur Zeit durch den Berliner Architekten Klaus Meyer-Hartmann zu Luxuswohnungen umgebaut (Quadratmeterpreis: 5.000 Euro). Gläserne Dachgauben und loggiaartige Einschnitte im Walmdach versuchen, aus dem militärischen Trutzbau etwas Lichtes zu machen. Doch kürzlich ist hinter den Kasernenmauern das Grauen gelandet: Genormtes Spielgerät mit knallblauen Plastikmützen im Schlumpf-Look. Es gibt eben nichts, was nicht durch kleine Gedankenlosigkeiten komplett entwertet werden könnte.
Nachtrag 23. 10. 2013: Die blauen Schlumpfhüte sind mittlerweile abgenommen worden.
Heller als tausend Sonnen…
…war der Atomblitz bei dem atomkritischen Autor Robert Jungk. Hier gehts zum Glück nicht um Atomkraft, sondern um einen strahlenden Schnappschuss von „good ole“ Klara – mit dem Mobiltelefon. Zu sehen ist „Klara“ in der Achse der Oderberger Straße im Prenzlauer Berg zum Zeitpunkt des Sunset. Das englische Wort sei hier gestattet, weil das Publikum der hiesigen Gastronomie sich gern und selbstverständlich fremder Zungen bedient.
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ICC Berlin: Raumschiff im Aus
Das Internationale Congress Centrum (ICC) am Berliner Funkturm ist das wohl bekannteste Raumschiff der Space-Age-Architektur der siebziger Jahre. Als Kongresszentrum bis heute hochgelobt und preisgekrönt, wird es dennoch im nächsten Jahr geschlossen – und zwar für immer. Folge einer konsequent kopflosen Politik.
Gaslaternen in Berlin – wieder mal ein Missverständnis
In Berlin gibt es noch 42.500 Straßenleuchten, die mit Gas betrieben werden – immerhin fast 19% des Gesamtbestandes in der Stadt (Stand: November 2012). Das ist eine weltweit einmalig große Zahl – und für Viele ein zu schützendes Kulturgut. Doch der Berliner Senat will diese Gaslaternen weitgehend abschaffen – so heißt es. Dagegen regen sich heftige Proteste. Ein genauerer Blick allerdings zeigt, dass die Pläne des Senats bei weitem nicht so gravierende Folgen für das Stadtbild haben werden, wie die Gaslichtfreunde glauben machen.

Aufsatzleuchte Typ BAMAG U 7. Diese Gaslaternen prägen das Straßenbild. Sie sollen erhalten werden – allerdings zukünftig teilweise mit LEDs leuchten
Eine „Bauhaus“-Architektur gibt es nicht
Immer öfter stößt man auf den Begriff „Bauhaus-Stil“ – oder auch „Bauhaus-Architektur“ – er wird jedenfalls verwendet, wenn Makler, Journalisten oder auch Architekten eine irgendwie kubisch, weiß und schnörkellos wirkende Architektur benennen wollen. Doch auf das historische Bauhaus kann sich eine solche Begrifflichkeit nicht stützen: Es gab nämlich nie einen „Bauhausstil“.
Das Bauhausgebäude in Dessau von Walter Gropius, 1925/26. Foto 2013
Nicht ganz überzeugend: „Taut-Erker“ am Jagdschloss Glienicke
Die Aufregung hat sich gelegt, das Jagdschloss Glienicke im äußersten Berliner Südwesten ist nach einer Brandschadenssanierung inzwischen wieder in Nutzung. Im Zuge der Sanierung ist der von Max Taut 1960-64 gebaute so genannte „Taut-Erker“ erneuert worden – woran sich konservative Zehlendorfer Bürger gestört hatten, die lieber dessen Entfernung und eine Rekonstruktion der historischen Situation gehabt hätten (siehe unser Bericht von einer Veranstaltung im Rathaus Zehlendorf von 2012). Doch deren Ansinnen wurde nicht berücksichtigt, vielmehr ist die „Zeitschicht Taut“ wieder erstanden. Doch leider überzeugt das Ergebnis nicht vollends.





